Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008090
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der 
Einfluss 
Religion, 
seine unzähligen Formen des Aberglaubens und durch die Macht 
seiner Vorurtheile. In Schottland ist dies sogar noch auffallender 
als in Deutschland, denn die Schotten sind aus Ursachen, die man 
Wenig studirt hat, in praktischer Hinsicht nicht nur fleissig und 
vorsorglich, sondern ausserordentlich gerieben. Dies jedoch hat 
ihnen in den höheren Sphären des Lebens nichts genutzt, und Wah- 
rend es kein Land giebt, das eine originellere, wissbcgicrigere 
und neuerungssüchtigere Literatur besitzt als Schottland, so giebt 
es auch kein Land von gleicher Oivilisation, in dem noch so viel 
Geist des Mittelalters fortlebt, in dem noch so viel Absurditäten 
geglaubt werden und in dem es so leicht sein wurde, die alten 
Gefühle religiöser Unduldsamkeit wieder zur Thätigkeit aufzu- 
stacheln. 
Die Kluft, ja die Feindseligkeit, die so zwischen der prakti- 
schen und der speculativen Klasse entstand, ist die wichtigste That- 
sache "in der Schottischen Geschichte und theils Ursache, theils 
Wirkung der vorherrschend deductiven Methode. Denn die herab- 
steigende Methode, welche der aufsteigenden oder induetiven Me- 
thode entgegengesetzt ist, vernachlässigt jene niedrigeren allge- 
meinen Wahrheiten, welche allein von beiden Klassen verstanden 
werden und desswegen die einzige Region bilden, wo sie mit ein- 
ander sympathisiren. Die inductive Methode, wie sie Baco populär 
gemacht, gab jenen niedrigeren und annähernden Wahrheiten eine 
hervorragende Stellung; und obgleich dies die intellectuellen Klassen 
in England oft zu sehr für den Nutzen. eingenommen hat, so hat 
es sie doch jedenfalls vor dem Zustande der lsolirung bewahrt, in 
dem sie sonst geblieben sein würden. ln Schottland hingegen ist 
diese Isolirung beinahe vollständig eingetreten, weil die deductive 
Methode fast allgemein herrschte. Den vollständigen Beweis im 
nächsten Bande; um aber den Gegenstand hier nicht gänzlich un- 
erörtert zu lassen, will ich ganz in der Kürze die Hauptbegcben- 
heiten berühren, welche in den drei Generationen eingetreten, worin 
die Schottische Literatur ihre höchste Vollendung erreichte. 
Während dieser Periode, die beinahe ein Jahrhundert umfasst, 
War die Tendenz so unverkennbar, dass sie eine auffallende Er- 
scheinung in der Geschichte des menschlichen Geistes bildet. Das 
erste grosse Symptom derselben war eine Bewegung, die Simson, 
Professor an der Universität Glasgow, begann und Stewart, Pro- 
fessor in Edinburg, fortsetzte. Diese gelehrten Männer machten 
ernsthafte Anstrengungen, die reine Griechische Geometrie wieder
        

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