Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008075
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Einfluss 
der Religion, 
eigenen Lande der Nachweis darüber auch nur dürftig ist. Daher 
beabsichtige ich einen Ueberblick der Spanischen Geschichte zu 
geben; denn in ihr können wir alle Folgen jenes Geistes des 
Schutzes vor dem Irrthum, den die geistlichen Klassen immer so 
eifrig gewähren, nachweisen. In Spanien hat die Kirche von sehr 
früher Zeit her mehr Ansehen besessen und die Geistlichkeit mehr 
Einlluss gehabt sowohl auf das Volk wie auf die Regierung als in 
irgend einem andern Lande; daher wird es passend sein, die 
Gesetze geistlicher Entwickelung und die Art, wie diese Entwicke- 
lung die Volksinteressen berührt, in Spanien zu studiren. Ein 
anderer Umstand, welcher auf den intellectuellen Fortschritt einer 
Nation einwirkt, ist die Untersuchungsmethode, welche seine grössten 
Geister gewöhnlich anwenden. Diese Methode kann nur eine zwei- 
fache sein, entweder die inductive oder die deductive. Eine jede 
von ihnen gehört einer verschiedenen Civilisation an und wird 
immer von einer verschiedenen Denkweise begleitet, vornehmlich 
in Religion und Wissenschaft. Diese Verschiedenheit ist von so 
ausserordentlicher Wichtigkeit, dass wir nicht behaupten können, 
die wirkliche Geschichte der Vergangenheit zu verstehen, bevor 
wir ihre Gesetze kennen. Nun sind die beiden Extreme dieser Ver- 
schiedenheit offenbar Deutschland und die Vereinigten Staaten; die 
Deutschen sind vorzugsweise deducfiv, die Amerikaner inductiv. 
Aber Deutschland und Amerika sind sich in mancher anderen Hin- 
sieht so schroff entgegengesetzt, dass ich es für nützlich gehalten 
habe, die Wirkungen des deductiven und inductiven Geistes in 
Ländern zu studiren, zwischen denen eine genauere Analogie existirt; 
denn je grösser die Aehnlichkeit zweier Völker ist, desto leichter 
können wir die Folgen jeder einzelnen Abweichung entdecken und 
desto augenscheinlichei- werden die Gesetze dieser Abweichung her- 
vortreten. Eine solche Gelegenheit bietet sich in der Geschichte 
von Schottland im Vergleich mit der von England. Hier haben 
wir zwei Grenzvölker, welche dieselbe Sprache sprechen, dieselbe 
Literatur lesen und durch dieselben Interessen verbunden sind. 
Und dennoch- ist es eine Wahrheit, welche unbeachtet geblieben 
zu sein scheint, die ich aber vollständig im Einzelnen nachweisen 
werde, dass bis zu den letzten 30 oder 40 Jahren der Schottische 
Geist sogar mehr und vollständiger deductiv gewesen ist als der 
Englische inductiv. Diese Neigung des Englischen Geistes zur In- 
duction und die fast abergläubischc Ehrfurcht, womit wir daran 
festhalten, ist mit Bedauern von wenigen, und von sehr wenigen
        

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