Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008003
Literatur 
und Staatsregierung. 
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einzig aus diesem Grunde unsere Geschichte für wichtiger als ihre 
und wähle die Englische Geschichte, um daran den Fortschritt 
der Civilisation näher zu studiren, nur weil sie weniger von Ein- 
Wirkungen, die nicht aus ihr selber entspringen, bestimmt wird 
und wir also in ihr um so deutlicher den normalen Gang der Ge- 
sellschaft und die ungestörte Wirkung der grossen Gesetze, von 
denen schliesslich das Schicksal der Menschheit bestimmt wird, 
erkennen können. 
Nach dieser Vergleichung der Französischen und Englischen 
Geschichte scheint es kaum nüthig, die Ansprüche, welche für die 
Geschichte anderer Länder noch erhoben werden könnten, vorzu- 
bringen. Es giebt in der That nur zwei, zu deren Gunsten irgend 
etwas gesagt werden kann, Deutschland und die Vereinigten Staaten 
von Nordamerika. Die Deutschen, das ist ohne Zweifel richtig, 
haben seit der Mitte des 18. Jahrhunderts eine grössere Anzahl 
tiefer Denker als irgend ein anderes Land, ich könnte vielleicht 
sagen als alle anderen Länder zusammengenommen, hervorge- 
bracht. Aber die Einwürfe, Welche die Franzosen treffen, treffen 
die Deutschen noch mehr. Denn das Princip des Schutzes oder 
der Bevormundung ist in Deutschland noch stärker als in Frank- 
reich. Selbst die besten deutschen Regierungen mischen sich be- 
ständig in die Angelegenheiten des Volks, überlassen es nie sich 
selbst, kümmern sich immer um seine Interessen und mischen sich 
in die gemeinsten Angelegenheiten des täglichen Lebens. Ausser- 
dem verdankt die Deutsche Literatur, obgleich jetzt. die erste in 
Europa, ihren Ursprung, wie wir später sehen werden, jener grossen 
skeptischen Bewegung, welche in Frankreich der Revolution v_or- 
herging. Vor der Mitte des 18. Jahrhunderts hatten die Deutschen, 
ungeachtet einiger ausgezeichneter Namen, wie Keppler und Leib- 
nitz, keine Literatur von wirklichem Werthe und der erste Anstoss, 
welchen sie erhielten, wurde durch ihre Berührung mit dem Französi- 
schen Geiste gegeben und durch den Einfluss der ausgezeichneten 
Franzosen, welche unter der Regierung Friedrichs des Grossen sich 
in Berlin B) versammelten, einer Stadt, Welche seitdem immer das 
s) Die Geschichte (lieser merkwürdigen, obgleich kurzen Vereinigung Franz. und 
Deutscher Geister wird im nächsten Bande aufgezeichnet werden; aber ihre erste grosse 
Wirkung in der Anregung oder Vielmehr Schöpfung der Deutschen Literatur wird von 
einem der gelehrtesten ihrer eigenen Schriftsteller hervorgehoben: "Denn eines Theils 
war zu diesen Gegenständen immer die lateinische Sprache gebraucht und die Mutter-
        

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