Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007975
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der Religion, 
Einüuss 
Dass dies die Charakterzüge der englischen Geschichte sind, 
ist bekannt; Einige finden es rühmlich, Andere bedauerlich. Und 
wenn wir noch hinzufügen, dass England wegen seiner insularen 
Lage  bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts selten von Fremden 
besucht wurde, so wird es einleuchtend, dass wir in unserer Ent- 
wickelung als Nation Weniger als irgend eine andere durch die 
zwei Quellen der Einmischung, nämlich die Macht der Regierung 
und den Einfluss der Fremden, behelligt worden sind. Im 16. Jahr- 
hundert wurde es Mode unter dem englischen Adel, im Auslande 
zu reisenf) aber es war keineswegs Sitte beim Adel des Auslandes 
in England zu reisen. Im 17. Jahrhundert breitete sich die Sitte, 
zum Vergnügen zu reisen, so sehr aus, dass unter den Reichen 
und Müssigen wenig Engländer waren, die nicht wenigstens einmal 
über den Kanal gefahren wären, während die nämlichen Leute in 
anderen Ländern, theils weil sie weniger reich waren, theils aus 
eingewurzelter Abneigung gegen die See, fast nie nach unserer 
Insel kamen, wenn sie nicht durch irgend ein besonderes Geschäft 
dazu gezwungen wurden. Die Folge davon war, dass in anderen 
Ländern, besonders in Frankreich und Italien, die Einwohner grosser 
Städte sich allniahlig an die Fremden gewohnten und, wie alle 
Menschen, unmerklich unter den Einliuss dessen traten, was sie 
oft sahen. Auf der andern Seite gab es eine Menge Städte bei 
uns, wohin nie ein Mensch, der kein Engländer war, seinen Fuss 
gesetzt?) selbst Einwohner der Hauptstadt konnten alt werden, 
l) Ooleridge (On the constitzotion of the ohurek und stete 20, 21) sagt: „Der Haupt- 
segen, den wir unter anderen von unserer insularen Lage gehabt, ist der, dass unsere 
socialen Institutionen sich aus unseren eigenen Bedürfnissen und Interessen frei ent- 
wickelt haben." Die politischen Folgen davon erregten viel Aufmerksamkeit in den 
Zeiten der Französischen Revolution. S. Mämoio-es de La Fayelle I , 404, Bruxelles 
1837. 
3) Anderswo will ich die reissende Zunahme der Neigung zum Reisen im 16. Jahr- 
hundert nachweisen; aber es ist interessant zu beachten, dass erst in der letzten Hälfte 
des Jahrhunderts die Sitte einriss, Reiselehrer anzustellen. Vergl. Barr-ingtovfs 0b- 
servations on tke stwtutes 218 mit einem Briefe von Beza aus dem Jahre 1598 in den 
Mämoires et oorrespondunoe de Du Plessis Mornay IX, 81. 
3) In Rücksicht der Frauenwelt war dies noch merkwürdiger und selbst noch in 
einer späteren Periode. Als die Gräfin de Boufllers England besuchte, es wer im An- 
fange der Regierung Georgs IIL, „on lzn" faisoit un nzäriie de sa om-iositä de wir 
Fzlngleterre; car on remarquoit qu'elle e'toit la seule dame Frangoise de qualitä qui 
füt nenne en voyageuse depuis dem: cents ans: an ne comprenoii point, drms cette 
claase, les ambassado-iccs, m" la duchesse de Muzarin, qm" y ätoient venues par näoessitä." 
Duiens, Mänzoircs d'un voyzzgenr I, 217. Vergl. Mämoires de Mail. Gvnlfs VIII, 241.
        

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