Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007961
Literatur 
Staatsregierung. 
und 
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ja sie würde ein fertiges Experiment sein und den vollen Werth 
jener künstlichen Vorrichtung besitzen, der die Naturwissenschaft 
so viel verdankt. 
Ein solches Volk zu finden ist ofenbar unmöglich; aber ein 
philosophischer Historiker muss sich zu seinem speciellen Studium 
das Land wählen, in dem diese Bedingungen am nächsten erreicht 
werden. Nun werden nicht nur wir Engländer, sondern auch 
denkende Ausländer gern zugeben, dass dies in England wenigstens 
die drei letzten Jahrhunderte anhaltender und erfolgreicher als in 
irgend einem anderen Lande geschehen ist. Ich will nichts von 
der Menge unserer Entdeckungen, dem Glanz unserer Literatur oder 
dem Erfolg unserer Waffen sagen. Dies sind gehassige Gegen- 
stände und andere Völker mögen uns vielleicht jene Vorzüge, die 
wir leicht zu übertreiben geneigt sind, bestreiten. Aber ich be- 
haupte nur, dass in England unter allen Europäischen Ländern 
die längste Zeit die Regierung am ruhigsten und das Volk am 
thätigsten gewesen ist, dass hier die Freiheit des Volks auf der 
breitesten Grundlage gegründet wurde, dass hier jeder mehr als 
anderswo sagen darf was er denkt und thun was er will, dass 
jeder seiner eigenen Neigung folgen und seine Meinung verbreiten 
kann, dass religiöse Verfolgung hier kaum bekannt ist und die 
Bewegung und der Fluss des menschlichen Geistes deutlich und 
ungefesselt durch jene Hemmnisse, denen er anderswo unterworfen 
ist, erscheint, dass hier das Eingeständniss der Ketzerei am wenig- 
sten Gefahr bringt und die Abweichungen vom Glauben am meisten 
in Gebrauch sind, dass feindliche Glaubensbekenntnisse neben ein- 
ander in Blüthe stehen und ungestört aufkommen und verfallen, 
je nach dem Bedürfniss des Volks, ungehindelt durch die Wünsche 
der Kirche und unüberwacht  durch die Gewalt des Staats, dass 
alle Interessen und alle Klassen, geistliche und weltliche, hier am 
meisten sich selbst überlassen werden, dass die Einmischungsdoctrin, 
das Schutzsystem hier zuerst angegriffen wurde und hier allein zer- 
stört worden ist, dass mit einem Wort jene gefährlichen Extreme, 
welche die Einmischung erzeugt, vermieden und folglich Despotis- 
mus und Empörung gleich selten geworden sind, dass in England 
Nachgeben als der Grundpfeiler der Politik anerkannt und folglich 
der Fortschritt des Volks, durch die Macht privilegirter Klassen, 
durch den Einfluss besonderer Secten oder durch die Gewaltthat 
unumschränkter Herrscher am wenigsten gestört worden ist.
        

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