Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007953
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Einfluss 
der 
Religion, 
Eroberungen; die neuen Religionen, Gesetze und Sitten, die es ge- 
waltsam einführt,  alles das sind Störungen, die unter dem 
universalhistorischen Gesichtspunkt sich einander aufheben, aber 
in einem einzelnen Lande möglicher Weise die natürliche Entwicke- 
lung hemmen und es uns so erschweren, die Bewegung der Oivili- 
sation zu verfolgen. Ich werde sogleich sagen, wie ich dieser 
Schwierigkeit zu begegnen suche, zuvor jedoch wünsche ich die 
Gründe anzugeben, die mich bewogen haben, die Geschichte von 
England zu wählen, sie für wichtiger als irgend eine andere und 
darum für die geeignetste zu halten, um sie einer erschöpfenden 
und philosophischen Untersuchung zu unterwerfen. 
Der grosse Vortheil bei der Prüfung vergangener Begebenheiten 
besteht in der Möglichkeit, die Gesetze zu ergründen, von denen 
sie geleitet werden; da leuchtet es nun ein, dass die Geschichte 
eines Volks um so werthvoller wird, je weniger seine Bewegungen 
durch fremde Einwirkung gestört werden. Jeder fremde oder aus- 
wärtige Einiluss auf eine Nation ist eine Einmischung in ihre Ent- 
wickelung und macht daher die Umstände, welche wir zu erforschen 
suchen, verwickelter. Verwickelungcn zu vereinfachen ist in allen 
Wissenszweigen der erste wesentliche Erfolg. Hiermit sind die 
Physiker oder Natur-forscher sehr wohl bekannt und durch ein ein- 
ziges Experiment können sie oft eine Wahrheit entdecken, nach 
welcher unzählige Beobachtungen vergeblich gesucht hatten. Der 
Grund ist, dass wir bei den Experimenten die Erscheinungen von 
ihren Verwiekelungcn befreien können; so isoliren wir sie, befreien 
sie von der Einwirkung unbekannter Kräfte und überlassen sie 
gleichsam ihrem eigenen Verlauf, um uns die Wirkung ihres inne- 
wohnenden Gesetzes zu enthüllen. 
Und dies wäre dann der wahre Maassstab um den Werth 
der Geschichte irgend eines Volks darnach zu bemessen. Die 
Wichtigkeit der Geschichte eines Landes hängt nicht von dem Glanz 
seiner Heldenthaten ab, sondern von dem Grade, in welchem seine 
Handlungen aus Ursachen entspringen, die ihm selbst angehören. 
Könnten wir daher ein civilisirtes Volk ünden, das seine Civilisa- 
tion ganz allein ausgebildet, das sich allem fremden Einfluss ent- 
zogen hätte und durch die Charaktere seiner Herrscher weder ge- 
fordert noch gehemmt worden wäre,  so würde seine Geschichte 
von höchster Wichtigkeit sein, denn sie würde eine normale Ent- 
wickelung von Innen heraus darstellen; sie würde die Gesetze des 
Fortschritts, wie sie in einem isolirten Zustande thätig waren, zeigen,
        

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