Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007930
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der Religion, 
Einfiuss 
einer kleinen Anzahl und in einem kurzen Zeitraum das individuelle 
moralische Princip triumphirt und die Wirkung des umfassenderen 
intellectuellen Gesetzes zerstört. Während also das sittliche Gefühl, 
wodurch Einer getrieben wird ein Verbrechen zu begehen oder sich 
dessen zu enthalten, einen ungemein grossen Einfluss darauf aus- 
übt, wie viel Verbrechen er selbst begeht, wird es auf die Menge 
der Verbrechen in der Gesellschaft, zu der er gehört, gar keinen 
Einfluss haben, weil es am Ende sicherlich durch ein entgegenge- 
setztes Gefühl, welches bei anderen ein entgegengesetztes Betragen 
erzeugt, ausgeglichen wird. Eben so wissen wir Alle, dass sitt- 
liche Grundsätze fast alle unsere Handlungen beeinflussen; aber 
wir haben den unwiderleglichen Beweis, dass sie auf die Mensch- 
heit im Ganzen nicht die geringste Wirkung hervorbringen, nicht 
einmal auf Menschen in sehr grossen Massen, wenn wir nur die 
Vorsicht gebrauchen, die socialen Phänomene einer hinlänglich aus- 
gedehnten Periode und nach einem hinlänglich grossen Maassstabe 
zu studiren, um den höheren Gesetzen freie Wirkung zu gestatten. 
Da also die Totalität menschlicher Handlungen unter dem 
höchsten Gesichtspunkt durch die Totalititt des menschlichen Wissens 
regiert wird, so könnte es als eine einfache Sache erscheinen, dass 
man die Nachricht von diesem Wissen sammelte und durch wieder- 
holte Verallgemeinerung alle Gesetze, welche den Fortschritt der 
Oivilisation leiten, feststellte. Und ich zweifle nicht im Geringsten 
daran, dass dies zuletzt noch geschehen wird. Aber unglücklicher 
Weise ist die Geschichte von Männern geschrieben worden, welche 
ihrerrgrossen Aufgabe so wenig gewachsen waren, dass bis jetzt 
von dem nothwendigen Stoff erst wenig gesammelt worden ist. An- 
statt uns Dinge zu erzählen, die allein einen Werth haben,  an- 
statt uns über den Fortschritt des Wissens zu unterrichten und 
über die Art, wie die Verbreitung dieses Wissens auf die Menschen 
gewirkt hat,  statt dessen füllen bei weitem die meisten Historiker 
ihre Werke mit den unbedcutendsten und erbamrlichsten Einzel- 
heiten, mit persönlichen Anekdoten von Königen und Höfen, mit 
endlosen Nachrichten darüber, was ein Minister gesagt und ein 
anderer gedacht und, das Schlimmste von Allem, mit langen Be- 
richten von Feldzügen, Schlachten und Belagerungen, die sehr in- 
teressant sind für die, welche dabei waren, aber völlig unnütz für 
uns, denn sie geben uns weder neue Wahrheiten noch die Mittel 
an die Hand, wodurch wir neue Wahrheiten entdecken könnten. 
Dies ist das eigentliche Hinderniss, welches jetzt unsern Fortschritt
        

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