Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007926
Einßuss 
der 
Religion, 
Literatur 
und 
Staatsregierung. 
195 
geblieben, und nicht vielmehr von dem intellectuellen Wissen, wel- 
ches viele Jahrhunderte lang fortdauernd vorwärts gekommen, ab- 
hängen sollte. Sodann ist es eine Thatsache, dass die beiden 
grössten Plagen der Menschheit nicht durch moralische Besserung 
vermindert worden sind, sondern dass sie dem Einfluss intelle- 
ctueller Entdeckungen gewichen sind und noch weichen. Aus alle- 
dem folgt offenbar, wenn wir die Bedingungen des Fortschritts 
der neueren Oivilisation erforschen wollen, so müssen Wir sie in 
der Geschichte des Waehsens und der Verbreitung des intelleetuellen 
Wissens suchen; physische Erscheinungen und moralische Grund- 
sätze haben ohne Zweifel in kurzen Zeiträumen grosse Abweichungen 
hervorgebracht, in längeren Perioden hingegen sich die Waage 
gehalten und so den intellcctuellen Gesetzen unbehindert von ihrer 
geringeren und untergeordneten Einwirkung das Feld überlassen. 
Zu dieser Folgerung sind wir durch eine Reihe von Erörte- 
rungen gelangt und von ihr gehen wir jetzt aus. Die Handlungen 
der Einzelnen leiden bedeutende Einwirkung (lurch ihre moralischen 
Gefühle und Leidenschaften, aber sie stehen mit Leidenschaften 
und Gefühlen Anderer in Widerstreit und werden durch sie aufge- 
wogen, und so kommt ihre Wirkung im Grossen und Ganzen der 
menschlichen Angelegenheiten nirgends zum Vorschein, und die 
Handlungen der Menschheit im Ganzen genommen werden der Masse 
von Kenntnissen, die sie besitzt, zur Regulirung überlassen. Und 
von der Art und Weise, wie individuelle Gefühle und Launen so 
absorbirt und neutralisirt werden, ünden wir ein deutliches Bei- 
spiel in den Thatsachen aus der Geschichte des Verbrechens, die 
wir schon angeführt. Denn durch sie wird entschieden bewiesen, 
dass sich die Menge der Verbrechen, die in einem Lande begangen 
werden, Jahr für Jahr mit der erstaunlichsten Gleichförmigkeit 
wiederholt und durch jene Launen und persönlichen Gefühle, von 
denen die Handlungen zu oft abhängig gemacht werden, nicht die 
geringste Abänderung erleidet. Wenn wir aber die Geschichte des 
Verbrechens nicht Jahr für Jahr, sondern Monat für Monat zu Rathe 
ziehen wollten, so würden wir weniger Regelmassigkeit finden, 
wenn Stunde für Stunde, gar keine; eben so wenig Regelmässig- 
keit würde sich zeigen, wenn wir statt der Berichte über die Ver- 
brechen eines ganzen Landes nur die von einer Strasse oder einer 
Familie kennten. Die grossen socialen Gesetze, denen das Ver- 
brechen unterworfen ist, lassen sich nur durch die Beobachtung 
einer grossen Anzahl und langer Perioden entdecken, während in 
13'
        

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