Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007710
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Gesetze. 
Die geistigen 
friedlichen Beschäftigungen, weil diese damals allgemein verachtet 
wurden. Fast Jedermann war Soldat, folglich hatte das Kriegs- 
handwerk gar keine abgesonderte Existenz, oder richtiger, ganz 
Europa bildete eine grosse Armee, Worin alle anderen Beschäf- 
tigungen aufgingen. Nur der geistliche Stand machte hiervon eine 
Ausnahme, aber auch er wurde von der allgemeinen Zeitrichtung 
ergriffen und es war nichts Ungewöhnliches, grosse Truppenmassen 
unter der Anführung von Bischöfen und Aebten zu finden, die in 
jenen Tagen meistentheils mit der Kriegskunst vollkommen ver- 
traut waren") Jedenfalls theilte man sich in diese beiden Stände; 
Krieg und Theologie waren die einzigen Beschäftigungen und wenn 
man nicht in den Dienst der Kirche treten wollte, musste man in 
der Armee dienen. Natürlich wurde alles wahrhaft Wichtige dar- 
über gänzlich vernachlässigt. Es gab Priester und Krieger, Pre- 
digten und Gefechte die Hülle und die Fülle, n) dagegen aber 
Weder Handel noch Verkehr, noch Fabriken, keine Wissenschaft, 
keine Literatur; die nützlichen Gewerbe waren gänzlich unbekannt 
und selbst den höchsten Ständen waren nicht nur die gewöhnlichen 
Annehmlichkeiten des Lebens, sondern auch Alles, was sich in ci- 
vilisirter Gesellschaft schickt, gänzlich fremd. 
Aber sobald das Schiesspulver in Gebrauch kam, war der 
Grund zu einer grossen Veränderung gelegt. Nach dem alten System 
brauchte ein Mann nur zu besitzen, was er gewöhnlich von seinem 
Vater erbte, ein Schwert oder einen Bogen, und. er war völlig 
 
M) Ueber die kriegerischen Geistlichen s. Grose, Milit. antiq. I, 67, 68; Lingard, 
Hist. of England II, 26, 483, III, 14; Turner, Hist. of Engl. IV, 458, V, 92, 402, 
406; Mosheim, Eccl. bist. I, 173, 193, 241; Crivhton, Svandinaviu I, 220. Und sie 
waren um so furchtbarer als Gegner, weil es in jenen glücklichen Tagen ein Sacri- 
legium war, wenn ein Laie einen Bischof antastete. Im Jahre 1095 liess Seine Heilig- 
keit der Papst durch ein Ooncil erklären, wer einen Bischof gefangen nähme, solle 
unter allen Umständen ausser dem Gesetz sein. Mutthäi Paris Hist. onzzjor 18. Da 
(lies gar nicht beschränkt ist, so folgt hieraus, dass wer einen Bischof zum Ge- 
fangenen machte, wäre es auch nur zur Selbstvertheidigung, in den Bann gethan 
wurde. 
49) Wie Sharon Turner von England unter der alten angelsächsischen Regierung 
bemerkt, waren Krieg und Religion die einzigen Gegenstände, welche diese Zeit in- 
teressirten. Siehe seine History of England III, 263, und ein neuerer gelehrter 
Historiker sagt von Europa im Allgemeinen: "Alle Künste und Kenntnisse, die sich 
nicht auf das edle Kriegs-, Rauf- und Raubhandwerk bezogen, waren überflüssig und 
schädlich. Nur etwas Theologie war vonnöthen, um die Erde mit dem Himmel zu 
verbinden." Winokler, Geschichte der Botanik 56.
        

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