Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007685
geistigen 
Die 
Gesetze. 
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Schriftsteller sind, haben niemals für tiefe Denker in schwierigen 
Gegenständen gegolten, noch irgend etwas Bedeutendes zu dem 
Besitz unserer Wissenschaft hinzugefügt. Ebenso waren bei den 
Alten die ausgezeichnetsten Soldaten zugleich die ausgezeichnetsten 
Politiker, und die besten Anführer der Armee waren gewöhnlich 
die besten Regenten des Staates. Hier hat aber wieder der Fort- 
schritt der Geschichte eine so grosse Veränderung hervorgebracht, 
dass eine lange Zeit hindurch dies sehr selten gewesen ist. Selbst 
Gustav Adolph und Friedrich der Grosse waren schmählich un- 
geschickt in der inneren Politik und zeigten sich eben so kurz- 
sichtig in der Kunst des Friedensregiments, als sie scharfsichtig 
in der Kriegskunst waren. Cromwell, Washington und Napoleon 
sind vielleicht die einzigen neueren Krieger ersten Ranges, von 
denen es füglioh heissen kann, dass sie eben so fähig gewesen, 
ein Reich zu beherrschen als eine Armee anzuführen. Und wenn 
wir auf England sehen und ein bekanntes Beispiel suchen, so fin- 
den wir es in unseren beiden grössten Generälen Marlborough und 
Wellington. Marlborough war ein Mann von müssiger und leicht- 
fertiger Sitte und dabei so kläglich unwissend, dass ihn dies bei 
seinen Zeitgenossen zum Gelächter machte, und in seiner Politik 
hatte er keinen andern Gedanken, als sich die Gunst seines Fürsten 
durch Schmeichelei gegen seine Maitresse zu erwerben, den Bruder 
dieses Fürsten in seiner äussersten Noth zu verlassen und hernach 
durch einen doppelten Verrath sich gegen seinen nächsten Wohl- 
thäter zu wenden und sich in eine eben so verbrecherische als 
thörichte Verhandlung mit demselben Manne einzulassen, den er 
einige Jahre vorher schmählich verlassen hatte. Dies sind die 
Charakterzüge des grössten Eroberers seiner Zeit, des Helden von 
100 Schlachten, des Siegers von Blenheim und Ramilies. Was 
unsern zweiten grossen Krieger betriift, so ist es wohl wahr, der 
Name Wellington sollte von keinem Engländer anders als mit Dank- 
barkeit und Hochachtung ausgesprochen werden, jedoch nur für 
seine Dienste im Felde und es würde uns übel anstehen, deren 
Wichtigkeit zu vergessen. Aber wer die bürgerliche Geschichte 
von England in unserem Jahrhundert studirt hat, weiss sehr gut, 
dass dieser General, der im Felde seines Gleichen nicht kannte 
und der, was ihm noch mehr zum Ruhme gereicht, eine seltene 
Redlichkeit, eine unbeugsame Ehrlichkeit und ein unübertreffliches 
Sittliehkeitsgefiihl besass, dennoch zu den verwickelten Erforder- 
nissen des politischen Lebens gänzlich untauglich war. Bekanntlich
        

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