Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007664
Gesetze. 
geistigen 
Die 
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deren vereintes Gewicht genügt, den Klassen, in deren Interesse 
der Krieg liegt, die Wage zu halten. 
Es wäre leicht, diese Erörterung weiter zu führen und zu be- 
weisen, dass durch vermehrte Neigung zu intcllectueller Beschäf- 
tigung der Kriegsdienst nothwendig in Verfall geräth sowohl an 
Ansehen als auch an Talent. In einem zurückgebliebenen Zustande 
der Gesellschaft drängen sich hervorstechende Talente zur Armee 
und sind stolz darauf, sich ihr anzuschliessen. So wie aber die 
Gesellschaft sich weiter entwickelt, eröffnen sich neue Quellen der 
Thätigkeit und entspringen neue Berufsarten, die wesentlich geistig 
sind und dem Talent Gelegenheit zu rascherem Erfolge bieten als 
man früher kannte. Die Folge ist, dass in England, wo diese 
Gelegenheiten häufiger sind als anderswo, ein Vater, welcher einen 
Sohn mit ausgezeichneten Anlagen hat, ihn für einen bürgerlichen 
Beruf bestimmt, wo sich Talent und Fleiss sicher bezahlt machen. 
Wenn hingegen der Bursche offenbar keine Anlagen hat, so kann 
man sich leicht helfen, er wird entweder Soldat oder Geistlicher; 
man steckt ihn unter die Soldaten oder versteckt ihn in der Kirche. 
Und wie wir später sehen werden, ist dies einer von den Gründen, 
wesswegen mit dem Fortschritt der Gesellschaft der geistliche und 
der militärische Geist unfehlbar zurückgehen. Sobald ausgezeich- 
nete Männer einen Stand nicht mehr ergreifen wollen, wird der 
Glanz dieses Standes erbleichen; zuerst wird sich sein Ansehen 
vermindern und dann seine Macht verkümmert werden. Dies ist 
der Process, den Europa jetzt durchmacht in beiden Zweigen, in 
der Kirche und in der Armee. Der Nachweis über den geistlichen 
Stand wird sich in einem anderen Theil dieses Werks finden; der 
Nachweis über den Soldatenstand ist eben so überzeugend. Ob- 
gleich er im neueren Europa einige Männer von unzweifelhaftem 
Genie hervorgebracht, so ist doch ihre Zahl so ausserordentlich 
klein, dass wir über die Seltenheit dieser Naturanlagc erstaunen 
müssen. Dass der Militärstand im Ganzen zur Ausartung geneigt 
ist, leuchtet noch mehr ein, wenn wir längere Perioden vergleichen. 
In der alten Welt waren die Hauptkrieger nicht nur Männer V0n 
bedeutender Bildung, sie waren Männer von umfassendem Geist 
sowohl in der Politik als im Kriege und in jeder Hinsicht die ersten 
ihrer Zeit. So finden wir, um nur einige Beispiele aus einem 
einzigen Volke zu geben, dass die drei glücklichsten Staatsmänner 
Griechenlands Solon, Themistokles und Epaminondas waren und 
alle waren zu gleicher Zeit ausgezeichnete Anführer im Kriege.
        

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