Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007658
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geistigen Gesetze. 
Die 
stabe gemessen. Die Armee gilt für den grössten Ruhm des Landes, 
eine Schlacht gewinnen oder den Feind überlisten für einen der 
höchsten Erfolge im Leben; und welches Verdienst auch ein Bürger 
besitzen mag, er wird von diesem barbarischen Volk als ein gänz- 
lich untergeordnetes und niedrigeres Wesen verachtetßl) In Eng- 
land haben dagegen entgegengesetzte Ursachen auch entgegenge- 
setzte Ergebnisse geliefert. Bei uns ist der intellectuelle Fortschritt 
so reissend und der Einfluss der Mittelklassen so gross, dass Mi- 
litärs nicht nur_keinen Einfluss auf die Regierung des Staats haben, 
sondern dass wir einmal sogar in Gefahr zu sein schienen, diese 
Gesinnung zu weit zu treiben und aus Abneigung gegen den Krieg 
unsere Vertheidigungsmaassregeln zu vernachlässigen, welche durch 
die Feindschaft anderer Völker räthlich gemacht werden. S0 viel 
aber können wir mit Sicherheit behaupten, dass in unserem Vater- 
lande die Liebe zum Kriege als eine nationale Neigung völlig er- 
loschen ist. Und dieser grosse Gewinn ist nicht durch moralische 
Lehren noch durch den Antrieb sittlicher Neigungen gemacht wor- 
den; sondern durch die einfache Thatsache, dass sich im Fort- 
schritt der Civilisation gewisse Klassen der Gesellschaft gebildet 
haben, die bei der Erhaltung des Friedens interessirt sind und 
I1, 233. Custine (La Russie m 1839, I, 321) sagt: "Allgemeine Regel, Niemand 
bringe je ein Wort vor, dass irgend Jemand lebhaft iuteressiren könnte." II, 195: 
"Von allen geistigen Eigenschaften schätzt man hier nur den Tact." Ein anderer be- 
kannter Schriftsteller, Kohl, bemerkt mit Verachtung, dass in Russland "die Tiefe 
der Wissenschaft nicht einmal geahnt werde." Kolzlle Russia 1842, Lond., S. 142. 
37) Nach Schnitzler „wird der Rang in Russland durch die Militärgrade bestimmt, 
und ein Fähndrich würde einem Edelmann vorgehen, der nicht in der Armee steht 
oder keine Anstellung mit militärischem Range hat." Mwzelloclzl, Geogr. dict. 1849, 
H, 614. Dasselbe sagt Pmkerton, Russin 1833, 321. Ennan, der durch einen grossen 
Theil von Russland reiste, sagt: „In der heutigen Spreche Petersburgs hört man be- 
ständig eine Unterscheidung von der grössten Wichtigkeit, womit gewöhnlich nach 
Leuten von Erziehung gefragt wird: Ist er im Civil oder in Uniform?" Erman, Si- 
beria I, 45, und über das Vorwiegen des Militärs, welches die unvermeidliche Folge 
der Unwissenheit des Volks ist, siehe Kohfs Russland 28, 194; Stzb-lingfs Russia 
zmder Niclzolas tlze First 7; Oustinds Russie I, 147, 152, 252, 266, II, 71, 128, 309, 
IlI, 328, IV, 284. Alison (History of Europa II, 391, 392) sagt: "Die ganze Energie 
der Nation ist auf die Armee gerichtet. Handel, juristische und andere bürgerliche 
Beschäftigung geniessen keine Achtung; alle jungen Leute von irgend einem Angehen 
widmen sich dem Militär." Er citirt X, 566 die Bemerkung von Bremner, dass "ein 
Russischer oder Polnischer Edelmann sich über nichts so sehr wundert, als über das 
Ansehen, in welchem bürgerliche Beschäftigungen, besonders die juristische, in Gross- 
blitanniell Stehen."
        

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