Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007593
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Die 
Gesetze. 
geistigen 
mit diesem alle anderen Verbrechen von geringer Bedeutung sind, 
und wir können mit Recht dankbar sein für den Zuwachs intelle- 
ctueller Erwerbungen, welcher ein Uebel zerstört hat, das Manche 
unter uns jetzt gern wieder herstellen möchten. 
Das Princip, welches ich vertheidige, ist in der Wirklichkeit 
und in der Wissenschaft von so grosser Bedeutung, dass ich noch 
ein Beispiel von seiner Macht und Wirksamkeit geben will. Das 
grösste Uebel, welches die Menschheit kennt, das, wenn wir die 
religiöse Verfolgung ausnehmen, das meiste Leiden verursacht hat, 
ist ohne Zweifel dic Sitte des Kriegführens. Dass dieses barbari- 
sche Verfahren im Fortschritt der Gesellschaft fortdauernd mehr 
ausser Gebrauch kommt, muss auch dem fiüchtigsten Leser der 
Europäischen Geschichte einleuehtenßt) Wenn wir ein Jahrhun- 
dert mit dem andern vergleichen, werden wir ünden, dass seit sehr 
langer Zeit Kriege weniger häuiig geworden sind, und jetzt tritt 
diese Bewegung so deutlich hervor, dass bis zu dem letzten Aus- 
bruch wir fast 40 Jahre Frieden gehabt haben, ein Zustand ohne 
Gleichen nicht nur in unserem Vaterlande, sondern in der Ge- 
schichte jedes anderen Landes, das bedeutend genug gewesen ist, 
um eine Hauptrolle in den Welthändeln zu spielenßä) Die Frage 
entsteht, welchen Antheil unser sittliches Gefühl gehabt hat, um 
diese grosse Verbesserung herbeizuführen. Und wenn wir diese 
Frage nicht nach Vorurtheilen, sondern nach den Thatsachen, die 
uns vorliegen, beantworten, so werden wir sagen müssen, dass 
dieses Gefühl gar keinen Antheil daran gehabt. Denn sicher wird 
Niemand behaupten wollen, dass in neueren Zeiten irgend welche 
neue Entdeckungen über die Uebel des Krieges gemacht worden 
sind. Darüber ist jetzt nichts bekannt, was nicht vor vielen hun- 
dert Jahren bekannt gewesen wäre. Dass Vertheidigungskriege 
gerecht und Angriffskrieg-c unrecht seien, sind die beiden einzigen 
Grundsätze der Moralisten. Und sie waren eben so klar ausge- 
14) Ueber die verminderte Liebe zum Kriege, die sich noch mehr offenbart, als 
die wirkliche Verminderung der Kriege, siehe einige interessante Bemerkungen von 
Comte, Philos. positive IV, 488, 713, VI, 68, 424-436, wo der Kamgf des militäri- 
schen nnd industriellen Geistes im Ganzen gut dargestellt ist, obgleich einige einfluss- 
reiche Erscheinuugen seiner Aufmerksamkeit entgangen sind wegen seiner mangelnden 
Kenntniss der Geschichte und des jetzigen Zustandes der politischen Oekonomie. 
25) In Pclleufs Izfe of Sidnzozeth 1847, III, 137, wird dieser lange Friede in 
allem Ernst „der Weisheit des Uebereinkommens von 1815" zugeschrieben; mit anderen 
Worten dem Verfahren des Congresses zu Wien!
        

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