Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007512
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Die 
geistigen 
Gesetze. 
schiebt") Alle Moralsysteme, welche grossen Einfluss geübt, sind 
wesentlich dieselben gewesen. Ueber unser sittliches Betragen ist 
jetzt dem gebildetsten Europäer nicht ein einziges Princip bekannt, 
welches nicht auch den Alten bekannt gewesen wäre. Im Ver- 
halten der Intelligenz hingegen haben die Neuern nicht nur in 
jedem Gebiete des Wissens, das die Alten je zu erforschen ver- 
suchten, die bedeutendsten Erwerbungen gemacht, sie haben auch 
die alten Methoden der Forschung umgestossen und revolutionirt; 
sie haben alle jene Hülfsmittel der Induction (Erfahrung und Beob- 
achtung), welche nur Aristoteles dunkel ahnte, zu einem grossen 
Forschungsplan vereinigt und Wissenschaften hervorgerufen, von 
welchen der kühnste Denker des Alterthums nicht die entfernteste 
Vorstellung hatte. 
Dies sind für jeden Mann von Bildung anerkannte und ge- 
läufige Thatsachen, und es liegt auf der Hand, welchen Schluss 
wir daraus zu ziehen haben. Da die Civilisation das Ergebniss 
sittlicher und intellectueller Factoren ist und dies Ergebniss in fort- 
dauernder Veränderung begriffen ist, so kann sie offenbar nicht 
von dem stationären Factor geregelt werden, weil in unveränderter 
Umgebung ein stationärer Factor nur eine stationäre Wirkung haben 
kann. Bleibt also nur der intellectuelle Factor übrig, und dass er 
der eigentlich wirkende Theil ist, lässt sich auf zwei verschiedenen 
Wegen beweisen; zuerst weil es der moralische nicht ist und dann 
45) Sir James Mackintosh fiel der stationäre Charakter der Moralprincipien so sehr 
auf, dass er die Möglichkeit ihrer Fortbildung bestreitet: „In der Moral giebt es keine 
Entdeckungen... Mehr als 3000 Jahre sind verflossen seit der Pentateuch geschrieben 
wurde; und wer kann sagen, dass seit jener fernen Zeit die Regel des Lebens sich 
in einer wesentlichen Hinsicht verändert habe. Wenn wir die Gesetze des Menu mit 
derselben Absicht erforschen, werden wir zu demselben Schluss kommen. Man schlage 
die Bücher der falschen Religionen auf, und man wird finden, dass ihr Moralsystem 
in allen Hauptzügen das nämliche ist... Die Thatsache ist klar, in der praktischen 
Moral sind keine Fortschritte gemacht worden... Die Thatsachen, die zur Bildung 
moralischer Regeln führen, sind dem einfdltigsten Barbaren eben so zugänglich und 
naheliegend, als dem aufgeklärtesten Philosophen... Gerade umgekehrt verhält es sich 
mit den physischen und specnlativen Wissenschaften, wo die Thatgaehen weit weg 
liegen und kaum zugänglich sind... Wegen der zahllosen Mannigfaltigkeit von That- 
sachen, womit sie sich befasseü, ist es unmöglich, ihrer Entwickelung irgend welche 
Grenzen zu setzen. Anders mit der Moral. Sie ist bis jetzt ohne Entwickelung ge- 
blieben und wird es nach meiner Meinung auch ferner bleiben." Lzfß vf Mackintvsh, 
edited by in's son I, 119-122; Condorcet (Via (Ze Turgot 180) Sagt? vDie Moral ßllßr 
Völker ist dieselbe gewesen" und Kant, Werke I, 356: „lI1 der Mürßlphilosophic 
sind wir nicht weiter gekommen als die Alten."
        

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