Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007495
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Die geistigen 
Gesetze. 
sondern äusserlicher Vorzüge oder Vortheile. Ein Kind, das in 
einem civilisirten Lande geboren wurde, übertrifft als solches das 
Kind eines Barbaren nicht; und der Unterschied zwischen dem, 
was beide Kinder thun werden, wird, soviel wir Wissen, einzig 
durch den Drang äusscrer Umstände hervorgebracht Werden; da- 
runter verstehe ich die Vorstellungen, die Wissenschaft, den Um- 
gang der Umgebung, mit einem Wort die ganze geistige Atmosphäre, 
von der die beiden Kinder genährt werden. 
So ist es offenbar, im Ganzen wird die Menschheit in ihrem 
sittlichen und intellectuellen Betragen durch die sittlichen und in- 
tellectuellen Begriffe, die in ihrer Zeit vorherrschen, geleitet. Natür- 
lich werden manche sich über diese Vorstellungen erheben, manche 
andere dahinter zurückbleiben. Aber das sind Ausnahmen und 
verhältnissmässig wenige; die Mehrzahl zeichnet sich weder im 
Guten noch im Bösen aus, muss nothwendig immer Mittelgut blei- 
ben, weder sehr dumm noch sehr gescheidt, weder sehr tugendhaft 
noch sehr lasterhaft, sondern schläfrig in iln'er friedlichen und ehr- 
baren lliittelmässigkeit nehmen sie ohne Schwierigkeit die laufen- 
den Tagesmeinungen an , untersuchen nichts, erregen keinen An- 
stoss, kein Erstaunen und halten sich nur eben auf gleicher Linie 
mit ihren Zeitgenossen, indem sie sich geräuschlos der sittlichen 
Regel und Geistesbildung ihres Landes und ihrer Zeit anbequemen. 
Nun lehrt uns schon eine oberflächliche Bekanntschaft mit der 
Geschichte, dass dieses Maass des Zeitgeistes sich fortdauernd 
ändert und nie ganz das nämliche ist selbst in den Ländern, die 
sich am ähnlichsten sind, oder in zwei auf einander folgenden 
Generationen desselben Landes. Die Meinungen, welche in einer 
Nation populär sind, wechseln in mancher Hinsicht von Jahr zu 
Jahr, und was in einer Periode als Widersinn und Ketzerei ange- 
feindet wird, das heisst eine neue Periode als nüchterne Wahrheit 
willkommen; aber auch sie wird ihrerseits später wieder durch 
etwas Neues ersetzt. Diese ausserordentliche Unstetigkeit in dem 
gewöhnlichen Maassstabe menschlicher Handlungen zeigt, dass die 
Bedingungen selbst, von denen der Maassstab abhängt, sehr wan- 
delbar sein müssen; offenbar sind aber diese Bedingungen, worin 
sie auch bestehen mögen, die Quellen des sittlichen und intellec- 
tuellen Verfahrens der Durchschnittsmasse der Menschen. 
Hier haben wir also eine Grundlage, auf der wir sicher weiter 
bauen können. Wir wissen, dass die Hauptursache menschlichen 
Verfahrens sehr veränderlich ist, brauchen also nur diesen Prüf-
        

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