Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007484
Die 
geistigen 
Gesetze. 
151 
Wissenschaft können wir nicht mit Sicherheit annehmen, dass eine 
durchgehende Verbesserung in den sittlichen und intellectuellen 
Fähigkeiten der Menschen stattgefunden habe; auch haben wir 
keinen entscheidenden Grund zu behaupten, dass diese Fähigkeiten 
grösser sein müssten bei einem Kinde aus dem civilisirtesteil Theil 
von Europa, als bei einem, welches in dem wildesten Theil eines 
barbarischen Landes geboren wordenß?) 
Was also auch der sittliche und intellectuelle Fortschritt der 
Menschheit sein mag, es ergiebt sich, dass er kein Fortschritt in 
natürlicher Elähigkeit sein kannfß) sondern so zu sagen nur ein 
Fortschritt in der Bequemlichkeit ist, d. h. eine Verbesserung der 
Umstände, unter denen die Fähigkeit nach der Geburt in Wirk- 
samkeit tritt. Und so liegt hier der Grund der ganzen Angelegen- 
heit. Der Fortschritt ist nicht ein Fortschritt innerlicher Kräfte, 
49) Wir hören oft von erblichen Talenten, erblichen Lastcrn und erblichen Tugen- 
den; wer aber die Zeugnisse kritisch prüfen will, wird linden, dass wir keinen Be- 
weis für ihr Dasein haben. Die Art, wie sie gewöhnlich bewiesen werden, ist im 
höchsten Grade unlogisch; gewöhnlich sammelt man Beispiele geistiger Eigenheiten in 
einem Vater und seinem Kinde und schliesst dann, dass diese Eigenheit vererbt sei. 
Auf diese Weise könnte man alles Mögliche beweisen; denn auf allen ausgedehnten 
Gebieten der Forschung findet sich eine hinlängliche Anzahl empirischer Zufälle, um 
einen plausibeln Fall für jede mögliche Ansicht daraus zu machen. Aber so entdeckt 
man keine Wahrheit. Und wir müssen fragen: nicht nur wie viele Fälle erblichen 
Talents es giebt etc, sondern auch wie viel Fälle es giebt, wo solche Eigenschaften 
nicht erblich waren. So lange nicht so etwas Aehnliches unternommen werden ist, 
können wir auf dem Wege der lnduction nichts über die Suche erfahren; und ehe 
nicht Physiologie und Chemie viel weiter fortgeschritten sind, können wir auf dem 
Wege der Deduction nichts darüber wissen. 
Diese Betrachtungen sollten uns abhalten, Versicherungen über das Dasein erb- 
lichen Wahnsinns und erblichen Selbstmordes Glauben zu schenken (wie in Taylork 
Media. j-zn-isprudence 644, 678 und in manchen anderen Büchern). Dasselbe gilt _von 
erblichen Krankheiten (worüber treffliche Bemerkungen in Phillips On scrofnla 101 
-l2O, Lond. 1846, vorkommen) und noch mehr von erblichen Lastern und erblichen 
Tugenden; denn sittliche Erscheinungen sind nicht so sorgfältig gebucht worden als 
physiologische und folglich sind unsere Schlüsse in Bezug auf sie noch unzuverlässigen 
43) Zu dem Gesagten will ich die Ansichten zweier Philosophen hinzufügen: "Die 
geistige Begabung der Menschen ist nach meiner Ansicht zu allen Zeiten S0 Ziemlich 
dieselbe gewesen. "Locke, Werks 1I, 361. "Las dispositions primitives agissewt ägwle- 
1726m alwz les peuples barbares et 01m2 les peuplos policäs; ils saut vraiscnzblablenzent leg 
mömes dmzs {aus les lieux et dans tous los tems.   Plus z?! I! am" d7mm"'e8: 95175148 
oous aurez de gramls lzommcs ou zfhommes ä devmir grands." Progres zle Pesprit 
lwmain, oezwvres de Turgot II, 264. Die Bemerkungen des Dr. Brown (Leckeres on 
the mind 57), wenn ich seine Rhetorik recht verstehe, beziehen. sich nicht auf die 
natürliche Anlage, sondern auf Erworbenes: siehe das Ende der 9. Vorlesung.
        

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