Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007452
148 
Gesetze. 
Die geistigen 
menschlichen Geistes erforscht werden sollte, während die frühere 
misslungene Methode der der Metaphysiker analog ist. So lange 
die Physiologen die Gesetze über die Proportion der Geschlechter 
durch einzelne Experimente feststellen wollten, richteten sie gar 
nichts aus. Als man aber dieser einzelnen ltlxperimente überdrüssig 
wurde und Beobachtungen zu sammeln begann, die weniger genau, 
aber umfassender waren, da enthüllte sich jenes grosse Naturge- 
setz, nach dem man Jahrhunderte lang vergebens gesucht hatte, 
zuerst unseren Blicken. Und so lange der menschliche Geist nur 
nach der engherzigen und beschränkten Methode der Metaphysiker 
erforscht wird, haben wir alle Ursache zu fürchten, dass die Ge- 
setze, welche seine Bewegungen regeln, unbekannt bleiben werden. 
Wenn wir daher etwas wirklich Bedeutendes ausrichten wollen, so 
müssen wir jene alten Plane bei Seite lassen,  ihre Unzuläng- 
lichkeit ist ja durch Erfahrung und Vernunft bewiesen worden  
und an ihre Stelle eine so umfassende Uebersicht von Thatsachen 
setzen, dass wir die Störungen ausscheiden können, welche wir, 
da ein Experiment unmöglich ist, niemals zu isoliren im Stande sind. 
Mein Wunsch, die vorläufigen Ansichten dieser Einleitung voll- 
kommen deutlich zu machen, ist meine einzige Entschuldigung 
dafür, dass ich diese Abschweifung gemacht habe. Sie stärkt zwar 
meinen Beweis nicht, aber wird doch nützlich sein als eine Er- 
läuterung desselben und den Leser jedenfalls in den Stand setzen, 
den Weith der vorgeschlagenen Methode zu beurtheilen. Wir haben 
jetzt noch zu untersuchen, wie durch die Anwendung dieser Me- 
thode die Gesetze des geistigen Fortschritts am leichtesten entdeckt 
werden können. 
Zuerst wenn wir fragen, was ist dieser Fortschritt? so scheint 
die Antwort sehr einfach: ein zweifacher, ein sittlicher und in- 
tellectueller, wovon der erste sich mehr auf unsere Piiichten, der 
zweite sich mehr auf unser Wissen bezieht. Diese Eintheilung 
wird oft gemacht und ist fast Allen bekannt. Und sofern die Ge- 
schichte eine Erzählung von Ergebnissen ist, kann es nicht zweifel- 
haft sein, dass diese Eintheilung vollkommen richtig ist. Ein Volk 
kann nicht wirklich fortschreiten, wenn auf der einen Seite seine 
fortschreitende Geschicklichkeit durch zunehmendes Laster begleitet 
wird, oder auf der andern Seite, wenn es zwar tugendhafter wird, 
aber auch zugleich unwissender. Dieser doppelte Fortschritt, der 
moralische und der intellectuelle, ist für den Begriff der Civilisa- 
tion selbst wesentlich und umfasst den ganzen geistigen Fortschritt.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.