Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007377
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der Metaphysiker. 
der Mäthode 
Prüfung 
Wahl, die ihnen bleibt, ist also, entweder die Ergebnisse der 
Sinneneindrücke den Gesetzen des Nachdenkens, oder die Resultate 
des Nachdenkens den Gesetzen der Sinnlichkeit zu unterwerfen. 
Jedes metaphysische System ist nach einem oder dem andern Schema 
aufgebaut werden; und dies muss immer der Fall bleiben, denn 
wenn die beiden Schemata vereinigt werden, so umfassen sie die 
Totalität der metaphysischen Phänomene. Jedes Verfahren ist gleich 
scheinbarfg) die Vertheidiger eines jeden sind gleich zuversicht- 
lich, und die Natur ihres Streites selbst macht es unmöglich, irgend 
eine Vermittelung zu ünden; auch ein Schiedsrichter ist unmöglich, 
denn Niemand kann metaphysische Streitigkeiten schlichten ohne 
selbst ein Metaphysiker zu sein und folglich zu einer Seite zu ge- 
hören, also ohne eine der Parteien zu sein, über deren Ansprüche 
er zu Gericht sitzen will")  - 
49) Was ein berühmter Geschichtschreiber der Philosophie vom Platonismus sagt, 
ist eben so richtig hinsichtlich aller grossen metaphysischen Systeme: "dass sie ein 
zusammenhängendes harmonisches Ganzes ausmachen." Tennemamz, Gesclt. der Phil. II, 
527. Und doch bekennt er III, 52: "und wenn man auf die Beweise sieht, so ist 
der Empirismus des Aristoteles nicht besser begründet, als der Rationalismus des 
Plato." Kant giebt zu, dass es nur ein"'wahres System geben könne, ist" aber über- 
zeugt, dass er entdeckt habe, was alle seine Vorgänger verfehlt haben. Die Metuplzys. 
der Sitten, Kaufs Werke V, 5, wo er die Frage aufwirft, „0b es wohl mehr als eine 
Philosophie geben könne." In der Kritik und den Prolegoaiz. zu jeder lvünßzlqcvz Me- 
taphysik sagt er, die Metaphysik habe keinen Fortschritt gemacht und man könne 
kaum sagen, dass die Wissenschaft existire. Kaufs TVerIt-e II, 49, 50, III, 166, 246. 
99) Ein merkwürdiges Beispiel ist der Versuch Cousins, eine eklektische Schule 
zu gründen; er ist nothwendig einseitig; er nimmt jene wesentliche Unterscheidung 
zwischen nothwendigen und zufälligen Ideen an, wodurch sich Idealist und Sensualist 
unterscheiden: "Zu gromde dieision des {dies aujourdhui ätablie est la divzls-ion des 
idäes oontingentes et des idees neeessaires." Hist. de la phil. ser. II, vol. I, 82, II, 92, 
sär. I, vol. I, 249, 267, 268, 311, III, 51-54. Cousin widerspricht beständig Locke 
und behauptet ihn. dann widerlegt zu haben, während er nicht; einmal die Entwicke- 
lungen von James Mill, dem grössten jetzt lebenden sensualistischen Metaphysiker, 
angiebt; mögen seine Ansichten richtig oder falsch sein, sie hätten sicher von einem 
eklektischen Geschichtsschreiber der Philosophie Beachtung verdient. 
Ein anderer Eklektiker, Sir W. Hamilton, kündigt {Discussions an pkilos. 597) 
an: "Eine unentwickelte Philosophie, die nach meiner festen Ueberzeugnng auf Wahr- 
heit beruht. Zu dieser Ueberzeugung bin ich gelangt nicht bloss durch Befriedigung 
meines eigenen Selbstbewusstseins, sondern weil ich in diesem System ein Centrum 
und eine Versöhnung der allerentgegengesetztesten philosophischen Ansichten finde." 
Aber 589 verurtheilt er von oben herab eine der wichtigsten von diesen philosophi- 
schen Ansichten „als das oberflächliche System Locke's."
        

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