Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007336
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Prüfung der 
Methode 
der Lletaphysiker. 
angenommen hat, er könne durch das Studium eines Geistes die 
Gesetze aller Geister entdecken, findet er sich in eine sonderbare 
Schwierigkeit verwickelt, sobald er auch nur diese unvollkommene 
Methode anwenden will. Die Schwierigkeit wird bei keiner anderen 
Bestrebung empfunden und so scheint sie der Aufmerksamkeit derer 
entgangen zu sein, die mit metaphysischen Streitigkeiten unbe- 
kannt sind. Um also ihre Natur zu verstehen, müssen wir einen 
kurzen Bericht über die beiden Schulen geben, denn einer von 
ihnen muss nothwendig jeder Metaphysiker angehören. 
Bei der Erforschung der Natur des menschlichen Geistes nach 
der metaphysischen Methode giebt es zwei Arten zu verfahren. 
Beide liegen gleich nahe und doch führen beide zu ganz verschie- 
denen ResuLtaten. , Nach der ersten Verfahrungsart beginnt der For- 
scher damit, seine sinnlichen Eindrücke zu untersuchen, nach der 
andern seine Ideen zu untersuchen. Diese beiden Methoden haben 
immer geführt und werden immer fülnen zu Folgerungen, die sich 
geradezu entgegengesetzt sind. Der Grund davon ist leicht einzu- 
sehen. In der Metaphysik ist der Geist sowohl das Instrument, 
als der Stoff, worauf dieses Instrument angewendet wird. Da so 
das Mittel, wodurch die Wissenschaft erzielt werden muss, das 
nämliche ist als der Gegenstand, auf den es wirkt, so entsteht 
eine ganz besondere Schwierigkeit. Diese Schwierigkeit ist die 
Unmöglichkeit, einen umfassenden Ueberblick über alle geistigen 
Erscheinungen zu gewinnen; denn wie ausgedehnt auch immer ein 
solcher Ueberblick sein mag, er muss den Zustand des Geistes 
ausschliessen, durch welchen oder in welchem der Ueberblick selbst 
genommen worden ist. Daraus können wir, wie ich glaube, einen 
wesentlichen Unterschied physischer und metaphysischer Unter- 
suchungen abnehmen. In der Naturwissenschaft giebt es verschie- 
dene Methoden, die alle zu demselben Resultat führen. In der 
Metaphysik hingegen wird man immer finden, wenn zwei gleich- 
begabte und gleich wahrheitsliebende Männer verschiedene Methoden 
bei dem Studium des Geistes anwenden, so werden auch die Folge- 
rungen, zu denen sie gelangen, verschieden sein. Denen, die mit 
diesen Gegenständen nicht vertraut sind, wird dies durch einige 
Erläuterungen deutlicher werden. Metaphysiker, welche mit dem 
Studium der Ideen beginnen, bemerken in ihrem eigenen Geist den 
Begriff des Raums. Woher kann dieser entspringen? fragen sie. 
Er kann, sagen sie, seinen Ursprung nicht den Sinnen verdanken, 
denn die Sinne geben nur Endliches und Zufälliges, während der
        

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