Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007299
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der Metaphysiker. 
Prüfung der Methode 
Jene furchtbaren Fälle von Hungersnoth, welche Europa in jedem 
Jahrhundert wiederholt heimzusuehen pllegtenß) haben aufgehört, 
und so erfolgreich haben wir sie bekämpft, dass es nicht im Ent- 
terntesten zu fürchten ist, sie könnten je mit einer ähnlichen Strenge 
wiederkehren. Unsere Hülfsquellen sind jetzt in der That so gross, 
dass wir im schlimmsten Fall nur einen geringen und zeitweiligen 
Mangel leiden könnten; denn bei dem gegenwärtigen Stande unserer 
Wissenschaft würden wir dem Uebel von vorn herein mit Mitteln 
entgegentreten, welche die Chemie leicht an die Hand geben könntei) 
Es ist kaum nöthig anzudeuten, wie in unzähligen anderen 
lFällen die Entwickelung der Europäischen Civilisation durch den 
verminderten Einfluss der Aussenwelt bezeichnet werden ist: ich 
meine natürlich die Eigenthümlichkeiten der Aussenwelt, die unab- 
hängig von den Wünschen des Menschen existiren und nicht von 
ihm erzeugt Wurden. Die gebildetsten Nationen verdanken in ihrem 
gegenwärtigen Zustande jenen ursprünglichen Naturzuständen ver- 
hältnissmässig wenig, welche in allen aussereuropäischen Cultnr- 
[ändern eine grenzenlose Macht ausübten. So wurde in Asien und 
anderswo der Zug des Handels, seine Ausdehnung und manche 
anderen Verhältnisse durch das Dasein der Flüsse, durch ihre Be- 
quemlichkeit für die Schifffahrt, durch die Anzahl und Güte der 
benachbarten Häfen bestimmt. In Europa dagegen wird dies Alles 
nicht sowohl durch solche Naturbeschaifenheit, als durch des Men- 
schen Geschick und Kraft bewirkt. Sonst waren die reichsten 
Länder wo die Natur am gütigsten war; jetzt sind es die, wo 
der Mensch am thatigsten ist. Denn in unserem Weltalter Wissen 
wir die Kargheit der Natur zu ersetzen. 1st ein Fluss nicht recht 
schiifbar oder ein Land schwer zu durchreisen, so können unsere 
4) Eine merkwürdige Liste über Fälle von Hungersnoth s. Farr im Journal af 
lke stätist. society IX, 159-163. Er sagt, dass im 11., 12., 13. Jahrhundert im 
Durchschnitt aller 14 Jahr eine Hungersnoth in England ausbrach. 
s) Nach der Meinung eines Mannes, der jetzt eine der grössten Autoritäten ist, 
wäre eine Hungersnoth schon bei dem jetzigen Stande der Chemie "fast unmöglich." 
HersolzePs Discourse an natura! philasophy 65. Cuvier (Recueil des äloges I, 10) sagt, 
dass es uns gelungen ist, jede Hungersnoth unmöglich zu machen. S. auch Godwin, 
0„ populaiion 500; und eine rein ökonomische Ausführung über die Unmöglichkeit 
einer Hungersuoth siehe in Jllilfs Princzples of polit. economg; II, 258 und Ricardzfs 
Works 191 die Anmerkung. Die Irische Hungersnoth kann als Ausnahme gelten: und 
doch hätte sie leicht gestillt werden können, wäre das Volk nicht so arm gewesen 
und hätte es nicht dadurch alle unsere Anstrengungen, sie zu einer blosseu Theuerung 
zu mildern, vereitelt.
        

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