Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007191
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der Naturgesetze. 
Einßuss 
schaften, einen menschlichen Beruf und menschlichen Geschmackß 3 1) 
Die Asiatischen Menschen, denen jeder Naturgegenstand Ehrfurcht 
einflösste, Wurden von der Gewohnheit der Unterwürfigkeit so er- 
füllt, dass sie es nie wagten, ihre eigenen Handlungen mit denen 
der Götter gleichzustellen. Die Europäischen Menschen, crmuthigt 
durch die Sicherheit und Trägheit der Aussenwelt, fürchteten sich 
nicht, den Vergleich anzustellen, wovor sie zurückgeschreckt sein 
würden, wenn sie inmitten der Gefahren eines tropischen Landes 
gelebt hätten. Darum sind die Griechischen Götter von denen der 
Hindus so verschieden, dass wir bei dem Vergleich beider von 
einer Welt in eine ganz andere zu treten scheinen. Die Griechen 
zogen ihre Beobachtungen vom menschlichen Geiste ab und wandten 
sie dann auf die Götter auf") Die Kälte der Frauen wurde in 
Diana, ihre Schönheit und Sinnlichkeit in Venus, ihr Stolz in Juno, 
ihre weiblichen Tugenden in Minerva dargestellt. Eben so wurde 
es mit dem gewöhnlichen Beruf der Götter gehalten. Neptun war 
ein Schiffer, Vulkan ein Schmied, Apollo manchmal ein Spielmann, 
manchmal ein Dichter, manchmal ein Rinderhirt. Cupido war ein 
muthwilliger Knabe, der mit seinem Pfeil und Bogen spielte, Ju- 
piter ein verliebter gutherziger König, während Merkur durchein- 
ander als ein treuer Bote und als ein gemeiner bekannter Dieb 
dargestellt wird. 
234) "In dem materialistischen Polytheismus der anderen Hauptvölker des Alter- 
thums, z. B. der Aegypter, verkörperte sich die Gottheit vornehmlich, wenn nicht 
ausschliesslich, in Thiere, Ungeheuer oder andere phantastische Embleme. In Griechen- 
land dagegen folgte es fast mit Nothwendigkeit aus dem Geist und der Grazie, Womit 
die Götter in menschlicher Gestalt dargestellt wurden, dass sie auch menschliche In- 
teressen und Leidenschaften haben mussten. Der Olymp wie die Erde hatte seine 
Höfe und Paläste, seine Handwerke und seine Berufsgeschäfte, seine Heirathen, Lie- 
besgeschichten und Ehescheidungen." Jllztreäs Hist. of the lit. of ancient Greece I, 
471, 472. Und 'l'ennemann (Gesch. der Plzilos. III, 419) sagt; "Diese Götter haben 
Menschengestalt   einen menschlichen Körper und sind als Menschen auch denselben 
Unvollkommenheiten, Krankheiten und dem Tode unterworfen; dieses streitet mit dem 
Begriffe," nämlich Epicurs. Grote, Hist. af Greece I, 596. „Das mythische Zeitalter 
war mit einem Gemisch von Göttern, Heroen und Menschen bevölkert, welches so in 
einander läuft, dass es oft unmöglich wurde zu unterscheiden, zu welcher Klasse ein 
besonderer Name gehört." Darüber beklagt sich auch Xenoplzrmes bei Müller, Gescb. 
der Griechischen Literatur, S. 251. 
13') Dasselbe gilt von der Schönheit der Gestalt, die sie erst in den Statuen von 
Menschen zu eneichen suchten und dann auf die Götterbilder anwandten. Dies ist 
gut auseinandergesetzt in Grotefs wichtigem Werk History of Greece IV, 133, 134, 
cd. 1847.
        

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