Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007188
der Naturgesetze. 
Einfluss 
121 
ist roth, um ihren unersättlichen Blutdurst anzuzeigen. Sie hat vier 
Arme und führt in einem den Schädel eines Riesen; die Zunge 
hängt ihr aus dem Munde, ihren Gürtel umschlingen die Hände 
ihrer Opfer und ihr Hals ist mit Mcnschenköpfen geziert, die an 
einem entsetzlichen Halsbande aufgereiht sindß") 
Wenden wir uns nun nach Griechenland, so finden wir selbst 
in der Kindheit seiner Religion nicht die leiseste Spur von etwas 
Aehnlichem. In Griechenland waren der Ursachen des Schreckens 
Wenigere, sein Ausdruck daher auch weniger gewöhnlich. Die 
Griechen waren keineswegs aufgelegt in ihrer Religion diese Ge- 
fühle der Furcht einzuführen, die den Hindus so natürlich sind. 
Die Richtung der Asiatischen Civilisation war, den Abstand zwi- 
schen dem Menschen und ihren Gottheiten zu erweitern; die der 
Griechischen Bildung war, diesen Abstand zu verengen. So hatten 
alle Götter in Hindostan etwas Ungeheures an sich, W ischnu vier 
Hände, Brahma fünf Köpfe und so fortß") Die Griechischen 
Götter dagegen wurden immer unter ganz menschlichen Formen 
vorgestelltßß") Kein Griechischer Künstler würde beachtet worden 
sein, der es gewagt hatte, sie anders abzubilden. Er konnte sie 
stärker und schöner machen, aber sie mussten immer noch Men- 
schen sein. Diese Menschlichkeit der Götter in der religiösen Vor- 
stellung der Griechen würde die Vorstellung der Hindus aufge- 
hoben haben. 
Dieser Verschiedenheit in dem künstlerischen Ausdruck beider 
Religionen folgte genau dieselbe Verschiedenheit in ihren theologi- 
schen Ueberlieferungen. In den Indischen Büchern erschöpft sich 
die Phantasie in Erzählung der Götterthaten, und je olfenbarer die 
Unmöglichkeit derselben, desto grösser die Befriedigung, sie den 
Göttern zuzuschreiben. Die Griechischen Götter hingegen hatten 
nicht nur menschliche Gestalt, sondern auch menschliche Eigen- 
93) Ueber diese Attribute und Darstellungen von Schiwa. und Doorga s. Rhnde, 
Religiöse Bildung der Hindus 11, 241; Colemavfs Mytkol. of the Hindus 63, 92; 
Bohlen I, 207; TVardYs Relig. of tlße Himl. I, p. XXVII, 27, 145; Iläwmsac. of sac, 
vf Bombay I, 215, 221; über ein vermuthliches Bild des Mahadeo ist ein interessanter 
ßericht Joum. Asiatique, I. sörie, I, 354, Paris 1822. 
i") Ward, On the rcl. I, 35; Transac. of soc. of Bombay I, 223; Anm. in dem 
Dabistan II, 202. 
230) Elphinstoneäw Eistory of Indiu 96, 97. S. auch Erskine, On the lemple gf 
Elephanta in Transao. of soc. of Bombay I, 246, und das Dabistan I, p. OXI.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.