Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007175
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Einfluss der Naturgesetze. 
Die Wirkung dieser Gedankenrichtung auf die Nationalreligion 
muss jedem auffallen, der den Volksglauben der Indier mit dem der 
Griechen verglichen hat. Die Mythologie von Indien, wie die jedes 
tropischen Landes, beruht auf dem Schrecken und noch dazu auf 
einem Schrecken von der ausschweifendsten Art. Beweise von der 
Allgemeinheit dieses Gefühls haben wir genug in den heiligen Büchern 
der Hindus, in ihren Sagen und in der Gestalt und Erscheinung 
ihrer Götter selbst. Und so tief hat sich dies Alles dem Gemüthe 
eingeprägt, dass die populärsten Götter allemal diejenigen sind, 
mit denen am innigsten die Vorstellungen des Schreckens verknüpft 
sind. S0 ist der Schiwadienst verbreiteter als irgend ein anderer, 
und so alt scheint er zu sein, dass wir Ursache haben anzuneh- 
men, dass ihn die Braminen von den Ur-Indiern entlehnt habenß") 
Jedenfalls ist er sehr alt und sehr volksthümlich und Sehiwa selbst 
bildet mit Brahma und Wischnu die berühmte Indische Dreieinig- 
keit. Wir brauchen uns daher nicht zu wundern, dass sich mit 
diesem Gotte Schreckbilder verbinden, wie sie nur eine tropische 
Phantasie aushecken konnte. Schiwa oder Siwa wird von dem 
Indischen Gemüthe vorgestellt als ein scheussliches Wesen von 
Schlangen umgürtet mit einem Menschenschädel in der Hand und 
mit einem Halsbande von Menschenknochen. Er hat drei Augen, 
sein wildes Gemüth drückt sich darin aus, dass er sich in ein 
Tigerfell hüllt; so irrt er wie ein Rasender umher und über seine 
linke Schulter erhebt die tödtliche Cobra di Capclla ihr Haupt. 
Diese Missgeburt einer mit Schrecken erfüllten Phantasie hat eine 
Gattin, Doorga, die manchmal Kali und manchmal noch andere 
Namen führtß") Ihr Körper ist dunkelblau und ihre {lache Hand 
595) S. Stßvenszm über die Antibramanical relzyion of tlw Hindu-s, Journal of Asiat. 
soc. VIII, 331, 332, 336, 338. Wilson (Journal III, 204) sagt: "Die vorherrschende 
Form der Hindureligion war im Süden der Halbinsel zu Anfange der christlichen Zeit- 
rechnung und etwas früher höchst wahrscheinlich die des Schiwa." S. auch V, 85, wo 
gesagt wird, dass Schiwa „der einzige Gott sei, der in Ellora verehrt wurde." Vergl. 
Transac. af saß. of Bombay III, 52l. Heaven's Asiat. nalions II, 62, 66. Ueber die 
philosophische Beziehung zwischen den Anhängern Schiwefs und Wisehmfs s. Ritter-C: 
GESCIL. der alten Philosophie IV, 334, und die merkwürdige Thatsaehe, Buckananäs 
Mysore II, 410, dass selbst die Naimar-Kaste, deren "eigentlicher Gott" Wisehuu ist, 
"das Zeichen des Schiwa an der Stirn trägt." Ueber Schiwzfs Verehrung zur Zeit 
Alexander's des Grossen s. Tkirlwalfs Hist. of Greece VII, 36, und über die Aus- 
breitung derselben Bohlen, Das alte Indien I, 29, 147, 206, und Transac. of Asiat. 
society II, 50, 294. 
z") So sagen im Allgemeinen die Hindu-Theologen; aber nach Rammohun Roy 
hat Sehiwa zwei Gemahlinnen, On the "Veds, p. 90.
        

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