Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007127
der 
Einfluss 
Naturgesetze. 
115 
Sie ist es, die die Dichter mit der Vorstellung des goldenen Zeit- 
alters beglückte, worin die Welt mit Frieden erfüllt, die bösen 
Lüste zum Schweigen gebracht und Verbrechen unerhört waren. 
Sie ist es auch, die den Theologen ihre Vorstellung von der ur- 
sprünglichen Tugend und Einfalt des Menschen und von seinem 
späteren Fall aus jener Höhe gab. Und sie ist es endlich, die 
den Glauben verbreitete, dass in alten Zeiten die Menschen nicht 
nur tugendhafter und glücklicher, sondern auch physisch von vor- 
Züglicherem Körperbau gewesen und dass sie so eine grössere Ge- 
stalt und ein höheres Alter erreicht hätten, als uns, ihren schwachen 
llnd entarteten Nachkommen, möglich ist.  
Da solche Meinungen von der Phantasie dem Verstande zum 
Trotz angenommen werden, so folgt, dass in jedem Lande die 
Stärke dieser Meinungen einen Maassstab hergiebt, nach dem wir 
das Vorherrschen der Einbildung schätzen können. Wenden Wir 
dies auf die Indische Literatur an, so werden wir eine auffallende 
Bestätigung der Schlüsse finden, die wir schon gezogen. Die wun- 
derbaren Thaten des Alterthums, von denen die Sanscritbücher 
überfliessen, sind so lang und so verwickelt, dass selbst ein Ab- 
Piss derselben zu viel Raum wegnehmen würde; aber eine Art dieser 
seltsamen Dichtungen verdient Beachtung und lässt sich kurz dar- 
Stellen. Ich meine das ausserordentliche Alter, welches die Men- 
Sehen in früheren Zeiten erreicht haben sollen. Der Glaube, dass 
die Menschen im Anfange länger gelebt hatten, war ein natürliches 
Product der Vorstellungen, welche den Alten eine allgemeine Ueber- 
lßgenheit über die Neueren zuschreiben; davon haben wir Beispiele 
iIl einigen christlichen und manchen jüdischen Schriften. Aber 
diese Angaben sind zahm und unbedeutend im Vergleich mit denen, 
Welche uns die Indische Literatur aufbewahrt hat. In dieser, wie 
in jeder anderen Hinsicht lässt die Einbildung der Hindus alle 
Mitbewerber weit hinter sich. So finden wir unter einer Unzahl 
ähnlicher Thatsachen die Nachricht, dass in alten Zeiten die Lebens- 
dauer gewöhnlicher Menschen 80,000 Jahre geweseni") lllld dass 
Heilige über 100,000 Jahre lebten? ' i) Einige starben etwas früher, 
andere etwas später, aber in der blühendsten Zeit des Alterthums, 
die fromme und die gottlose Klasse in einander gerechnet, sind 
 
d_ '34) Asiat. resem-ches XVI, 456, Caloutta 1528. Die Theologen von Tibet haben 
m Iwmliche Zahl, Journal Asiat. 1. Serie, V01. 111,199, Paris 1823. 
m) Rhodc, Religiöse Bildung der 11mm 1, 175. 
81'
        

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