Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007116
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der Naturgesetze. 
Einfluss 
hatßm) Dieser Eigenheit in der Form geht eine entsprechende 
Eigenheit des Geistes zur Seite. Denn es ist keine Uebertreibung, 
wenn wir sagen, dass in dieser Literatur alles darauf angelegt ist, 
der menschlichen Vernunft offen Trotz zu bieten. Eine Phantasie, 
bis zur Krankhaftigkeit üppig, überlässt sich bei jeder Gelegen- 
heit ihrer Schwärmerei. Dies zeigt sich besonders in den eigent- 
lichen Nationalwerken, als der Ramayana, dem Mahabharat und 
überhaupt in den Puranas. Aber wir finden es selbst in ihren 
geographischen und chronologischen Lehrbüchern und die, sollte 
man doch denken, eignen sich am wenigsten für die Aufschwünge 
der Phantasie. Einige Beispiele aus den zuverlässigsten Quellen 
werden uns in Stand setzen, einen Vergleich mit dem völlig ent- 
gegengesetzten Zustande des Europäischen Geistes anzustellen, und 
dem Leser einen Begriff davon geben, wie weit die Leichtgläubig- 
keit selbst bei einem civilisirten Volke zu treiben istßm) 
Keine Verdrehung der Wahrheit durch die Phantasie hat so 
viel Unheil gestiftet, als der übertriebene Respect vor vergangenen 
Zeiten. Diese Verehrung des Alterthums streitet mit aller Vernunft 
und ist nur ein Schwelgen in poetischen Gefühlen zu Gunsten des 
Entfernten und Unbekannten. Es ist daher natürlich, dass zu Zeiten, 
wo der Verstand im Verhaltniss unthatig war, diese Gefühle viel 
stärker gewesen sind als gegenwärtig; und sie werden ohne Zwei- 
fel noch schwächer werden und das Gefühl des lilortschritts in dem- 
selben Maasse Boden gewinnen, so dass der Verehrung für die 
Vergangenheit die Hoffnung auf die Zukunftfolgen wird. Vormals 
aber war die Verehrung vorherrschend und unzählige Spuren davon 
finden sich in der Literatur und dem Volksglauben jedes Landes. 
309) Yates, On sanscrit ullriteration in den Asiat. researchcs XX, 159, Caleutta 
1836, sagt von den Hindus, kein anderes Volk habe jemals eine solche Mannigfaltig- 
keit von poetischen Formen producirt. „Die Versmaasse der Griechen und Römer 
haben Europa durch ihre Mannigfaltigkeit in Erstaunen gesetzt; aber was sind sie im 
Vergleich mit der langen Reihe von Sanskrit-Versmaassen unter ihren drei Klassen poe- 
tischer Schreibart?" S. über die Versmaasse im Sanscrit Yates 321 und eine Ab- 
handlung von Uolebrooke X, 389-474. Ueber das metrische System der Verlas s. 
Wilson's Nbte zu der Rig Veda Sanlzita II, 135. 
im) In Europa, wie wir im 6. Kapitel sehen werden, war die Leichtgläubigkeit 
zu einer Zeit sehr gross; aber die Zeit war eine barbarische und Barbarei ist immer 
abergläubisch. Auf der anderen Seite sind die Beispiele aus der Indischen Literatur 
den Werken eines gebildeten Volks entnommen, in einer ungemein reichen Sprache 
geschrieben und so elegantpdass einige eompetente Richter sie dem Griechischen gleich, 
wenn nicht überlegen geachtet.
        

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