Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007104
der Naturgesetze. 
Einfluss 
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daher in der Kürze zeigen, wie sie sich in den drei grossen Zweigen, 
der Literatur, der Religion und der Kunst bethatigt haben. Ich 
Will zu zeigen suchen, wie in jedem Zweige die Hauptzüge durch 
die Naturerscheinungen bestimmt worden sind; und zur Verein- 
fachung der Untersuchung werde ich auf beiden Seiten die hervor- 
stechendsten Beispiele wählen und den Ausdruck des Griechischen 
mit dem des Indischen Geistes vergleichen: dies sind die beiden 
Länder, über die wir den reichsten Stoff haben und in denen die 
natürlichen Gegensätze am auffallendsten sind. 
Sehen wir also auf die altindische Literatur, selbst in der 
besten Zeit, so finden wir die merkwürdigsten Beweise von zügel- 
loser Oberherrschaft der Phantasie. Zuerst fällt es auf, dass auf 
die Prosa fast gar keine Mühe verwendet worden; alle die besten 
Schriftsteller haben sich der Poesie gewidmet, da sie dem Volks- 
genius am angemessensten war. Fast alle ihre Werke über Gram- 
matik, Gesetz, Geschichte, Medicin, Mathematik, Geographie und 
Metaphysik sind Gedichte und nach einem ordentlichen System des 
Versbaues geordnetßw?) Die Folge ist, dass die Prosa förmlich 
verachtet und die Poesie so eifrig angebaut worden ist, dass sich 
das Sanscrit einer grösseren Anzahl und künstlicherer Versmaasse 
rühmen kann, als je irgend eine Europäische Sprache besessen 
l 
903) „So verwandelt das geistige Leben des Hindu sich in wahre Poesie, und 
das bezeichnende Merkmal seiner ganzen Bildung ist: Herrschaft der Einbildungskraft 
über den Verstand; im geraden Gegensatz mit der Bildung des Europäers, dessen 
allgemeiner Charakter in der Herrschaft des Verstandes über die Einbildungskraft be- 
Steht. Es wird dadurch begreiüich, dass die Literatur der Hindus nur eine poetische 
ist; dass sie überreich an Dichterwerkcn, aber arm an wissenschaftlichen Schriften 
ist; dass ihre heiligen Schriften, ihre Gesetze und Sagen poetisch und grösstentheils 
in Versen geschrieben sind; ja, dass Lehrbücher der Grammatik, der Heilkunde , der 
Mathematik, der Erdbeschreibung in Versen verfasst sind." Rhode, Religiöse Bildung 
der Hindus II, 626. „Und eben so, sagt man uns, sei der beste Text ihres be- 
rühmtesten metaphysischen Systems, der Sanchya, eine kurze Abhandlung in Versen." 
Uolebrooke, On tlw philasopky of tlze Hindus in den Tnmsew. of Asiat. soo. I, 23; 
111111 Asiat. researclws X, 439 sagt er: "die metrischen Abhandlungen über das Recht 
111111 andere Wissenschaften sind fast gänzlich in diesem leichten Versmnass abgefasst." 
Klaproth sagt über eine Sanskritgeschichte von Kaschmir: „wie fast alle Schriften 
der Hindus ist sie in Versen geschrieben." Joum. Asiatiqw I- Säriev VOL VII, P' 8- 
Siehe auch VI, 175, l76, wo Burnouf sagt: „die Indischen Philosophen, als hätten 
Sie sich den poetischen Einflüssen ihres Klimas nicht entziehen können, behandeln die 
Fragen der abstractesten Metaphysik in Gleichnissen und MctaPhem." Vergl. VI, 4, 
"der Indische Geist, der so poetisch und so religiös ist?" und Cousin, Hist. de la 
plzilosn, II. Serie, vol. I, 27. 
Buckle, Gesell. d. Uivilisntion. l. S
        

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