Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1007006
Einfluss 
der Naturgesetze. 
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als einige von den Gesetzen jenes verwickelten, aber noch uner- 
forschten Processes aufzustellen, wodurch die Aussenwelt auf den 
Geist des Menschen eingewirkt, seine Bestrebungen aus ihrer Bahn 
gelenkt und nur zu oft seinen natürlichen Fortschritt gehemmt hat. 
Die Naturerscheinungen lassen sich unter diesem Gesichtspunkt 
in zwei Klassen theilen: 1) die, welche vornehmlich auf die Phan- 
tasie wirken und 2) die sich an den Verstand wenden, an die 
rein logischen Operationen der Intelligenz. Denn es ist zwar wahr, 
bei einem gesunden Gleichgewicht des Geistes spielen Phantasie 
und Verstand jedes seine Rolle und unterstützen sich einander, 
aber es ist eben so wahr, dass in den meisten Fällen der Verstand 
Zu schwach ist, die Phantasie niederzuhalten und ihre gefährliche 
Willkür zu zügeln. Eine Vorgerückte Civilisation strebt dies Miss- 
verhaltniss auszugleichen und dem Verstande die Autorität zu ver- 
schaffen, welche auf einer frühen Stufe der Gesellschaft die Phan- 
tasie ausschliesslich im Besitz hatte. Ob wir zu befürchten haben, 
dass die Reaction am Ende zu weit gehen und dass der Verstand 
nun wieder die Phantasie tyrannisiren werde, ist eine Frage vom 
tiefsten Interesse, die aber bei dem gegenwärtigen Stande unserer 
Wissenschaft Wahrscheinlich nicht zu beantworten ist. Jedenfalls 
ist es gewiss, dass bis jetzt nichts dergleichen dagewesen ist; denn 
selbst in unserem Zeitalter, wo die Phantasie mehr als in irgend 
einem früheren beherrscht wird, hat sie immer noch viel zu viel 
Gewalt. Dies lasst sich leicht beweisen nicht nur durch den Aber- 
glauben, der überall noch unter dem Volke herrscht, sondern auch 
aus der poetischen Ehrfurcht vor dem Alterthum, welche zwar 
Schon lange abgenommen hat, aber immer noch unter den Gebilde- 
ien die Unabhängigkeit fesselt, das Urtheil blendet und die Origi- 
nalität beschränkt. 
Was nun die Naturerscheinungen angeht, so hat natürlich Alles, 
was die Gefühle der Furcht erregt oder das Gemüth mit grosser 
Verwunderung und dem Begriff des Unbestimmten und Uebermäch- 
ügen erfüllt, eine besondere Anlage, die Phantasie zu entflammt-EH 
und die langsamere und bedachtigere Operation des Verstandes 
unter seine Herrschaft zu bringen. In solchen Fällen vergleicht 
Sieh der Mensch mit der Gewalt und Majestät der Natur und ge- 
Winnt das peinliche Gefühl seiner eigenen Unbedßülißlldhßili- Ein 
Bewusstsein seiner Unterordnung kommt über ihn- von 311911 Sei" 
ten schränken ihn unzählige Hindernisse ein und hemmen seinen 
eigenen Willen. Sein Geist erschrickt vor dem Unendlichen und
        

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