Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen des Mittelalters
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2207933
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2209011
gothische 
Der 
Styl. 
systeme des constructiven Baues hervor, so dass hier Aeusseres und 
Inneres in engstem Zusammenhange stehen. Strebepfeiler und Strebe- 
bögen mit den zwischenliegenden Fenstern, die Formen des Dach- 
gesimses und des Daches selbst gehen so vollständig aus dem Ge- 
sammtorganismus des Baues hervor, dass es hier besonders concipirter 
Fagaden nicht bedarf, ja solche unter consequenter Durchbildung 
der Stylformen ausgeschlossen sind. 
So verschieden der gothische Bau seinem Wesen nach vom 
griechischen ist, ist er doch wie jener sozusagen aus einem Gusse 
erwachsen, es lässt sich demnach auch Inneres und Aeusseres gar 
nicht von einander trennen, da das ganze System des Baues ein 
mit Consequenz durchgeführtes constructives ist. 
In vollem Zusammenhange mit diesem Systeme stehen auch die 
Formen aller jener Theile des Baues, welche namentlich der Auszier 
desselben angehören. Hierher ist vor Allem das Stab- und Mass- 
werk, das zur Theilung der weiten und hohen Fenster Verwendung 
fand und auch auf andere Bautheile übertragen wurde, zu zählen. 
Diesem schliessen sich die hohen dreiseitigen Giebel, dann die zwei- 
schenkeligen Wimperge und die unzähligen in verschiedensten 
Formen und Dimensionen ausgeführten Bekröntmgsthürmchen, die 
sogenannten Fialen, an. Ausserdem zählen zu den nur im gothischen 
Style verwertheten Formen die an die Spitze der Thürme, Fialen, 
Giebel und Wimperge gesetzten Kreuzblurnen, wie die Blätterorna- 
inente, Welche an die Kanten der Thurmhelme, Fialen und Giebel 
angesetzt sind und der Richtung derselben folgen, die sogenannten 
Krabben. 
Der 
-gothische 
französisch- 
Styl. 
Der Uebergang aus dem romanischen in den gothischen Styl 
und die volle Ausprägung des letzteren macht sich zuerst in den 
Bauten Nordfrankreichs geltend. Besonders einilussreich wurde, wie 
schon oben erwähnt, der durch den Abt Suger erbaute Chor von 
S. Denis. Derselbe ist trotz der Halbkreisform des Abschlusses in 
seiner constructiven Gliederung vollständig im Sinne des gothischen 
Styles ausgeführt. Die sieben Capellen des Kranzes sind unmittelbar 
nebeneinander gestellt, die Gewölbe gothische Rippengewölbe, bei 
welchen Rund- und Spitzbögen zur Anwendung kommen. Vor der 
A. Hausen StyI-Lehre. II. 6
        

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