Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen des Mittelalters
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2207933
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2208985
Styl. 
gothische 
Der 
in Bezug auf die möglichste Reducirung der leistenden construc- 
tiven Theile oder der im Vergleich der Leistung aufgewendeten 
Dimensionen der Theile im grössten Gegensatze zum griechischen 
Bau steht. 
Auch das räumliche Verhältniss des Innenbaues wird damit 
ein Anderes als in der Antike. Man trachtet die Gewölbe über 
hohen Pfeilern wie schwebend und weit vom Boden hinaufgerückt 
erscheinen zu lassen und gibt den Pfeilern durch reiche Proiilirung 
ein höchst wirksames, senkrechtes Lineament, das den Raum noch 
höher, die Gewölbe noch leichter erscheinen lässt. Der Ausdruck 
des Aufstrebenden erreicht dann unter fast völliger Verläugnung 
der Horizontallinien in den deutschen Thurmbauten die höchste Con- 
sequenz und kommt in allen Theilen des Baues bis zu den kleinsten 
Details zur vollen Geltung, so dass gewisse Zierformen, die nur 
diesem Style eigen, wie Fialen, Krabben, Kreuzblumen u. A, nur 
aus dem Wesen desselben zu erklären sind. 
In der Hauptanlage der Kirche kommt, wie im romanischen 
Style, die Form des lateinischen Kreuzes am häufigsten in Anwendung. 
Bei grösseren Anlagen ist aber das Querschiff mehr gegen die Mitte 
des Langbaues vorgerückt und der Chor entfaltet sich demnach zu 
einer räumlich grösseren und auch reicher gegliederten Anlage. Für 
die Anordnung des ganzen Baues ist auch hier die Gliederung eines 
Travees bestimmend. Im romanischen Baue waren zumeist quadra- 
tische Kreuzgewölbe in Anwendung gekommen. Im Langhause 
kamen auf ein Gewölbe des Mittelsohiffes zwei Gewölbe der Seiten- 
schiffe, mit Rücksicht hierauf wechselten stärkere und schwächere 
Pfeiler der Längsrichtung des Inneren nach mit einander ab, wobei 
ein Joch des Mittelschiffes zwei Arkaden umfasste. (Siehe Fig. 37.) 
Im gothischen Bau wird diese Anordnung wesentlich vereinfacht, 
wozu die Form des Spitzbogens, der bei gleicher Pfeilhöhe in 
verschiedener Spannweite ausgeführt werden konnte, im günstigen 
Sinne zu statten kam. Die Kreuzgewölbe im Mittelschiffe werden 
nun durchweg rechteckig gebildet. Auf ein Kreuzgewölbe des Mittel- 
schiffes kommt je ein Kreuzgewölbe der Seitenschiffe. Fig. 63. Die 
Pfeiler sind nun sämmtlich von gleicher Form und Starke und 
beziehen sich gleichmässig auf Mittel- und Seitenschiffgewölbe. Es 
erwächst hieraus eine leichtere Verwerthung der Travees bei der 
Aneinanderreihung derselben, eine grössere NVeite des Raumes bei 
reicherem, senkrechtem Lineamente, das dem Raume den Ausdruck 
noch grösserer Höhe, als er thatsächlich besitzt, gibt. Bei der
        

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