Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen des Mittelalters
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2207933
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2208977
Der 
Styl. 
gothische 
des 
ebenfalls reich an gothischen Monumenten, brachte dem Wesen des 
Styles das geringste Verständniss entgegen. 
Der Styl beginnt in Frankreich in den sechziger Jahren 
des zwölften Jahrhunderts, in Deutschland mit dem dreizehnten und 
währt bis ins fünfzehnte, an einzelnen Orten bis ins sechzehnte Jahr- 
hundert. 
dem Wesen 
So verschiedenartig die gothischen Bauten nach Grösse, Material, 
decorativer Durchbildung u. s. w. sind, tritt doch bei Allen eine 
gleichartige Tendenz nach der constructiven Seite ein, welche für 
den Styl besonders charakteristisch wird. Die Ueberdeckung des 
Raumes ist fast durchweg mit Kreuzgewölben, das heisst solchen 
aus Rippen und eingespannten Kappen, ausgeführt. Druck und Schub 
der Gewölbe werden durch die Rippen auf die Pfeiler übertragen. 
Die Wandpfeiler erhalten Verstärkungen (Strebepfeiler), welche nach 
dem Aeusseren der Kirche verlegt, coulissenartig gestellt sind und 
die ganze Höhe der Umfassungsmauer hinaufreichen. Zwischen 
diesen Pfeilern sind die Wände nur als verschliessende Füllungen 
gemauert, oder sie werden durch Fenster vollständig ersetzt. Die 
ganze bauliche constructive Masse besteht nur aus einem auf das 
geringste zulässige Mass reducirten Gerippe von Bautheilen, zwischen 
welchen alles Andere nur leichtes Füllwerk ist. Die Mauern verlieren 
ihre constructive Bedeutung, ebenso wie auch die Gewölbekappen 
schon in der Spätzeit des romanischen Styles nur leichte Füllungen 
zwischen den Rippen und Gurten waren, beide haben nur mehr den 
Charakter verschliessender Theile, welche in das eigentlich c0n- 
structive Gerüste als solche eingefügt sind. Das ganze System ist 
einzig und allein aus dem Steinbau hervorgegangen und bezeichnet 
die äusserste Consequenz in der Durchbildung desselben, es prägt 
sich aber auch in dieser letzten Consequenz der Gegensatz gegen 
das auf viel einfacherer und naturgemässer Grundlage fussende 
Bausystem des griechischen Tempels aus, das ebenfalls vollständig 
aus den Bedingungen der Steinconstruction hervorging. Während 
im griechischen Bau der Gegensatz zwischen Tragen und Lasten 
durch die Säulen und Gebälkarchitektur zum Ausdrucke kam, so 
dass senkrechtes und horizontales Lineament der Hauptsache nach 
diese verschiedenen Bestimmungen und Leistungen der Structurtheile 
charakterisirte, verschwindet hier das Letztere immer mehr und 
macht dem Ausdrucke ungestörten Emporstrebens durch das völlige 
Vorherrschen des verticalen Lineamentes Platz. Am meisten ist 
dies namentlich in der deutschen Gothik der Fall, welche auch
        

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