Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen des Mittelalters
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2207933
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2208274
Die altchristlichen 
Style. 
Bei der Erbauung der altchristlichen Basilika war das volle Augen- 
merk auf die räumlich und constructiv entsprechendste Lösung der 
Aufgabe gerichtet. Das nunmehr festgestellte System des Baues wurde 
von hoher Bedeutung für die von ihm aus sich entwickelnde mittel- 
alterliche Kirchenbauweise. Völlig unerledigt tritt uns aber die 
Gliederung der durch die Construction gegebenen Massen entgegen. 
Für eine consequente Durchbildung der Formen in diesem Sinne 
fehlte es sowohl an einem selbständig und mit der Construction 
organisch entwickelten Formenapparate, als auch an einer bewussten 
Verwerthung der römischen Formen. Nur wo fertige Bautheile aus 
römischen Monumente-n in der Basilika Verwerthung fanden, kann 
von einer Uebertragung der Kunstform und zwar in directer Weise 
die Rede sein. Es ist dies ausschliesslich bei den Säulenstellungen 
und den sie verbindenden Gebälken der Fall. Wie sehr man aber auch 
diese nur als Wesentlich constructive Theile ansah, geht daraus hervor, 
dass oft die verschiedensten Säulenschäfte und Capitelle in einer 
Reihe verwerthet wurden, und auch Gebälkstücke verschiedenster 
Art 
die Säulen untereinander 
verbanden. 
Drückt sich schon in diesem 
Vorgange die Unfähigkeit aus, selbständig solche Bautheile zu 
bilden, so tritt dies noch deutlicher für die Gliederung der so reich- 
lich vorhandenen Wandflächen ein. Die Flächen der Hochmauern, 
wie der Umfassungsmauern, Fig. 3, entbehren jeder, besonders 
plastischen Gliederung und jedes Abschlusses nach oben, dasselbe 
gilt auch für das Aeussere der Basilika. An die Stelle einer streng 
architektonischen Gliederung tritt eine Decoration der Wände mit 
figuralen und ornamentalen Darstellungen in Mosaik. 
Die Fenster wurden anfänglich weit geöffnet, später schmal 
angelegt, man verschloss sie mit durchbrochenem oder durch- 
scheinenden Marmorplatten, seltener mit Glas. 
In einzelnen Fällen erleidet der Normaltypus der Basilika im 
Aufbau Veränderungen, welche mit der Anordnung der Stützen im 
Langbau zusammenhängen. Wo der Vorrath an antiken Säulen zur 
directen Verwerthung derselben nicht ausreichte, wurden an Stelle 
der Säulen Pfeiler aufgemauert, und zwar entweder in ganzen Reihen 
ununterbrochen oder mit Säulen wechselnd. Fig. 4. 
In selteneren Fällen wurden diese Pfeiler auch durch Bögen 
verbunden, welche sich quer über die Schiffe spannten, wodurch zu 
der sonst ununterbrochenen auf den Altar gerichteten Längenentwicke- 
lung des Baues eine Quertheilung trat. Zuweilen werden die Seiten- 
schiffe der Basilika über-wölbt, während das Mittelschiff seine flache
        

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