Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen des Mittelalters
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2207933
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2209408
120 
gothische 
Der 
Styl. 
Theilen des Bauwerkes den denkbar leichtesten Ausdruck, es tritt 
in dieser Ausbildung der deutsch-gothischen Thürme die vollste 
Ueberwindung und Beherrschung der baulichen Masse selbst bis an 
die ausserste Consequenz der Verleugnung derselben durch die deco- 
rative Gliederung zu Tage. Zuweilen sind die Thürme ihrer ganzen 
Höhe nach vier- oder achteckig gebildet und bekommen in beiden 
Fällen achteckige Helme, zuweilen ist der Helm in Form einer durch- 
brochenen aus Masswerk gebildeten Kuppel in Ausführung gekommen. 
Sehr häufig wurde, namentlich bei kleineren Kirchen, die 
Spitze des Thurmes nicht wie oben aus Stein gebildet, sondern es 
trat an die Stelle des durchbrochenem Steinhelmes ein geschlossener 
Holzhelm. Aber auch dieser erhebt sich zumeist auf achteckiger 
Basis und erhält nicht selten kleinere Helme zur Seite, welche auf 
das Thurmgesims aufsetzen oder selbst höherliegend in die Schräg- 
flächen des Thurmdaches einschneiden. Fig. 102. Krabben und 
Kreuzblumen fallen hier fort oder sie werden aus Nletall gebildet. 
Vollkommen verschieden ihrer Lage und Form nach von den deutsch- 
gothischen Thürmen sind die italienisch-gothischen. Sie stehen zur 
Seite der Kirchen und üben demnach keinen Einfluss auf die Fagaden 
derselben, ausserdem erheben sie sich meist durchweg auf quadra- 
tischer Grundfläche und sind oben Hach abgedeckt oder mit einem 
undurchbrochenen viereckigen Helme bekrönt. Es macht sich hier, 
wie im italienisch-gothischen Bau überhaupt, die Wirkung der Flächen 
und Massen mehr geltend als bei dem nordischen Thurme. (Siehe 
Fig. 81.) 
Endlich muss noch als charakteristisches Merkmal des gothischen 
Baues das hohe, steile Kirchendach Erwähnung finden. Ursprüng- 
lich aus klimatischen Verhältnissen hervorgegangen, trat es in volle 
Harmonie mit allen Theilen des Baues und hat namentlich auf die 
steile Form der Giebel, Wimperge u. s. w. den mächtigsten Einiiuss 
genommen. Der First wird zuweilen mit einer aufrechtstehenden 
Krönung aus Metall bekleidet, der Durchschneidungspunkt des Lang- 
hauses mit dem Querbau durch ein hölzernes oder steinernes Vierungs- 
thiirmchen (Dachreiter) bezeichnet. Die grossen Dachfiächen der 
Hallenkirchen werden an einigen Monumenten mit Giebeln maskirt, 
welche sich über die Langmauern der Kirche zwischen den Strebe- 
pfeilern erheben. Die italienisch-gothischen Kirchen sind mit Flachen 
Dächern versehen oder wie der MailäinderDom terrassenförmig mit 
Steinplatten abgedeckt. 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.