Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen des Mittelalters
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2207933
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2208241
Die 
altchristl 
ichen 
Style. 
Erbauung grosser kirchlicher Gebäude für die Gemeinden handelte. 
Für die Erledigung der nun gestellten Aufgaben, die hauptsächlich 
in der Schaffung grosser, langgestreckter und geschlossener Räume 
bestanden, War das Vorbild der römischen Basilika bestimmend. 
Man mag die Markthalle oder die basilikenartigen Räume in den 
Wohnhäusern oder selbst das Atrium mit den Alae und dem Tab- 
linum als Vorbild für den neuen Kirchenraum ansehen, immer wird, 
alle Vorbedingungen erwogen, daran festzuhalten sein, dass sich die 
Entstehung der altchristlichen Basilika ohne das Vorbild der römisch- 
antiken nicht denken lässt. Das Tempelgebäude war für die Zwecke 
der christlichen Kirche zu klein, trotzdem es hierzu hie und da 
Verwerthung fand und für dieselben, so gut es ging, umgestaltet 
ward, die grossen überwölbten Thermenräume waren viel zu anspruchs- 
voll und constructiv zu schwierig auszuführen, um als Vorbild für 
den Langbau der Kirchen gelten zu können. Man musste demnach 
mit der einfachsten Raumdisposition auch zur einfachsten in dieser 
Zeit des Verfalles ausführbaren Construction greifen, und diese war 
in der ungewölbten Basilika gegeben. Die römische Basilika war 
das mittelbare, besonders constructive Vorbild für die christliche, 
erfuhr aber mit Rücksicht auf den neuen Zvreck wesentliche V er- 
änderungen, so dass sich sehr bald unter Verwerthung des Vorbildes 
eine neue für sich abgeschlossene Form des Kirchenhauses ent- 
wickelte, welche mit der der römischen Markthalle nur wenig mehr 
gemein 
hatte. 
Von den griechischen und römischen Tempeln, welche für die 
Zwecke der christlichen Kirche verwerthet und unxgestaltet wurden, 
sind namentlich hervorzuheben: der des Bacchus in Laodicea, der 
Venus in Aphrodisias, der Roma und des Augustus in Ancyra, des 
Antonin und der Faustina, der Vesta, des Romulus und Remus in Rom, 
des Augustus in Vienne, dann der Parthenon, das Ereclitheion, das 
Theseion und der Tempel am Ilissus in Athen, der sog. Aesculaptenipel 
in Spalato, sowie das NlHKISOlCUIT! daselbst und das Pantheon in Rom. 
Die christliche Kirche verlangte für ihre Zwecke einen grossen 
länglichen Raum für die Gemeinde, einen diesem an der einen Schmal- 
seite vorgesetzten, besonders betonten Theil für die Aufstellung des 
Altares und für die Priesterschaft und endlich an der gegenüber- 
liegenden Schmalseite, derKirche vorgesetzt, einen Vorhof. Diese 
drei Wesentlichen Theile lagen in einer Langachse, welche von Ost 
nach West gezogen war. Der Altar stand bis zum Jahre 420 immer 
im Westen, während von hier ab die Orientirung der ganzen Anlage 
eine entgegengesetzte wurde.
        

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