Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen der Renaissance
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2209545
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2211417
Der 
Styl 
der 
deutschen 
Renaissance. 
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Das Fenster des öffentlichen und Privatbaues ist meist 
gerade abgeschlossen und Verhältnissmässig niedrig, die Umrah- 
mung wird, der mittelalterlichen Form entsprechend, in die Mauer 
abgeschrägt, gekuppelte und selbst dreifache Fenster kommen 
nicht selten in Anwendung. Neben dem gothischen Fenster tritt 
gleichzeitig auch das antike, mit über der Wand vertretender Um- 
rahmung und Verdachung ein. Das Fenster ist häufig durch Stein- 
pfosten mit Hennen und dergl. getheilt; die Bekrönung in Form 
eines Spitzgiebels oder durchbrochenem giCbClähHllChCH Schnörkel- 
werks oder rein ornamentalen Aufsatzes gebildet. Der Spätzeit 
gehört die theilweise oder völlige Rusticirung des Rahmens an. 
Die reichste und für die Gesammterscheinilng der deutschen 
Renaissancebailten massgebenste Ausbildung erfuhren die Portale, 
Erker und Giebel. An diesen Bautheilen, welche eine ganz selbst- 
ständige Behandlung zeigen, konnte der Styl mit seiner Zierlust 
sich zur Genüge bethätigen; er tritt hier, wo es sich weniger um die 
Gliederung grosser structiver Massen, als um die Decoration kleinerer 
Flächen handelt, und demnach die reiche Fantasie des Einzelnen 
keiner all zu strengen baulichen Fessel sich zu fügen hat, in sein 
eigentliches Gebiet ein. 
Das Thor ist meist rundbogig, selten gerade abgeschlossen; 
bei den einfachen Häusern wird es, w_ie das nlittelalterliche 
Fenster, in der Leibung profilirt. Zu dieser Form gesellt sich 
dann die reiche Umrahmung mit Pilastern, Säulen und Gebälk. 
Zuweilen werden bei reicheren Anlagen ein grösseres Thor und 
daneben ein kleineres angeordnet und beide zusammen ent- 
sprechend umrahmt, 
Grosses Gewicht wird immer auf den attikenartigen Auf- 
satz des Thores gelegt, der die reichsten Variationen von frei- 
behandelter Architektur und Ornamentirung zeigt. Mit der Spät- 
zeit wird auch hier die Form derber und kräftiger, es kommen 
die Ordnungen der Hochrenaissance und des Barockstyles zur 
Geltung. 
Portale mit Pilastern oder Säulen sind in grosser Zahl erhalten, 
in den verschiedensten Formen am Schlosse zu Tübingen, in Rothen- 
bnrg an der Tauber, m1 der St. Petrikirche in Münster u. A. 
Ilochrenaissance Portale am Schlosse zu Baden, Residenz zu 
München, Rathhaus in Nürnberg u. A.  
Zweithorige Portale 
Baden, Bring, Liegnitz 
im Schlosse 
u. A. 
Tübingen 
Stuttgart,
        

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