Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen der Renaissance
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2209545
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2211375
Styl 
deutschen 
Renaissance. 
entstandene jesuitenkirche S. Michael in München (I582_I597). Ein- 
Schiflig mit Tonnengexxiöllve und vollendeter Durchhildung der Gliederung. 
Ein nüchterner Bau von iilullicher- Disposition ist die protestantische 
Dreifaltigkeitskirche in Regensburg (1627 -I63I) von  Karl 
Jugen und Lorenz Friedrich. 
 Der Formenapparat der deutschen Renaissance steht 
in verschiedenster Weise in Bezug zur Antike und zum Mittel- 
alter. YVährend die italienische Renaissance die antiken Formen 
direct übernahm und in kurzer Zeit im Sinne des neuen Styls 
ohne weitere Reminiscenzen an das Mittelalter umzubilden wusste, 
während in Ifrankreich die antiken Formen, wenn auch auf 
indirectem Wege, zu einer völligen Umgestaltung der Bauweise 
im speciell französischen Sinne führten, wobei das Mittelalter 
wenigstens im Wesen der Gliederung niemals seinen Einfluss 
verläugnete, führt in Deutschland das Studium der Antike oder 
richtiger der durch die italienische Renaissance vermittelten Antike 
zu einem Formenapparate, der in den seltensten Fällen mit vollem 
Verstiindniss gehandhabt wird, und einer Umbildung und histo- 
rischen Fortentxvickelung der ganzen Bauweise nicht förderlich ist. 
Neben der Antike bleibt aber auch das Mittelalter lange Zeit in 
Geltung und es gesellen sich oft in einem Objecte beiderlei 
Formen ohne irgend welche Vermittlung zusammen. In der Ver- 
werthung der hergebrachten Formen zeigt kein Styl solche Un- 
gleichheit wie der in Rede stehende, die ganze Zeitdauer des 
Styles hindurch tritt neben tüchtigen Arbeiten, welche Verständniss 
der Form zeigen und den italienischen an die Seite zu stellen sind, 
die volle Rathlosigkeit und Unkenntniss bei der Verwerthung der 
Architekturform ein. Die schwächste Seite des Styles tritt aber 
dort zu Tage, wo es sich um die Gliederung der Architektur handelt. 
Die Formen der Gebälk- und Bogenarchitelqtur sind dem deutschen 
Baumeister niemals vollständig geläufig geworden und der ganze 
Reichthum der Ornamentik ist nicht im Stande, diese Un- 
sicherheit zu verdecken. Es fehlt hier durchaus an einer leitenden 
Schule, an grossen Meistern, Welche mit vollem Verständniss und 
mit Ueberzeugung vorangegangen Wären; das Formenwesen bleibt 
theils italienisch oder es zeigt eine schüchterne Nachbildung des 
italienischen, wie am Otto Heinrichsbau, oder- es wird endlich 
als ganz freie Nachbildung verwendet, wobei der Charakter mehr 
von dem geringen Verständnisse als von bestimmender Umbil- 
dung im Sinne des neuen Styles beeinflusst wird. Wie schwankend 
A. I-Iauser, Styl-Lehre. III. II
        

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