Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen der Renaissance
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2209545
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2211357
Der 
Styl 
deutschen 
Renaissance. 
159 
Weise des gothischen l-lauses aber unter Heranziehen von Renais- 
sancedetails gegliedert, erst in der Schlussperiode des Styles 
tritt die Verwerthung von Pilasterstelhlngen mit Gebälken zur 
Belebung der Wandfliicheil ein. An eine durchweg organische 
Gliederung ist aber in den seltensten Fällen zu denken. Meist 
wird der Giebel ohne Rücksicht auf die darunterliegende Wand 
reich ausgebildet, wobei der äussere Contour in grossen Voluten 
aufgelöst wird, während die übrige Facade nur durch die Fenster 
und Thüreinrahmungen und einen mehr oder weniger reichen 
Erker grössere Bedeutung erhält. Fenster, Thüren, Erker treten 
selten zur Architektur der Wand in organischen Bezug. 
Den grössten Einfluss auf die Faqade übt das in den ver- 
schiedenen Oertlichkeiten zur Verfügung stehende Material. 
Stein-, Putz-, Ziegel-, H0lz- und Fachwerksbau erfahren ent- 
sprechende Durchbildung, bemalte Wände in voller Farbe oder 
in Chiaroscuro, Sgraffiten, waren besonders in Süddeutschland 
zur Ausführung gekommen, während der aus Stein und Ziegel 
gemischte, wie der Fachwerksbau vor Allem im Norden zu 
Hause ist. 
Die Zahl der erhaltenen Privathäuser ist eine sehr grosse, 
und wo die ganze Anordnung durch Umbauten und Verände- 
rungen gestört wurde, sind häufig genug noch einzelne Theile 
erhalten, welche den ausgeprägten Charakter des Styles tragen. 
Die bemalten Fagaden, einst in so grosser Menge zur Aus- 
führung gekommen, dass sie den Typus ganzer Strassen und 
Städte bestimmten, sind am meisten der Zeit zum Opfer gefallen. 
Vollfarbige in Stein am Rhein, Schaffhausen, Colmar, 
Heidelberg, Augsburg, Prachatitz (Böhmen) u. A. 
Graugemalte und Sgraffittmfagiulen besonders in Ulm. 
Frühe Steinbauten in Nürnberg: (las Tucherh aus (1533), llirseh- 
vogelhaus (1534), 'l'oplerhaus (1590), FunlCsche IIaus mit llolz- 
gallerien im Hofe. 
v Der Spätzeit des Styles gehört das Pellefs eh e llaus in Nürnberg an 
(1605). Der Grundriss ist ungewöhnlich regehniissig angelegt. Die Fagade 
als mächtiger Giebelbaxi errichtet, zeigt im Detail die kräftigen Rustica- 
formen italienischer Hochrenaissance. Der Ilof mit drei Arkadenreihen 
übereinander zeigt gedrücktere Verhältnisse. 
Andere Privathäuser von mehr oder weniger Bedeutung in den 
meisten Städten, so in Münster mit Ilallen im Erdgeschoss, in Breslau, 
Görlitz, Danzig, Bremen u. s. w. 
Fachwerksbaixlen und llolzbauten in llöxter, Celle, llildes- 
heim, Münden, Braunschweig, Halberstadt, Hameln, Frank-
        

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