Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen der Renaissance
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2209545
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2211145
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Der 
Styl 
französischen 
Renaissance. 
Die 
Wandflächc 
zwischen 
den 
Pilastern 
Gesimsen 
u n d 
Fenstern ist am Steinbau glatt gebildet. Sowohl das Bestreben 
die Wandfliiclie als besonders kräftigen tragenden Bautheil zu 
charakterisiren, somit die Rustica der italienischen Frührenaissance 
nachzubilden, als auch die Tendenz durch verschiedene Be- 
handlung der Etagen eine Abstufung zu erzielen, ist unserm 
Style fremd. 
Die Rustica ist überhaupt in Frankreich nie zur vollen 
Herrschaft gelangt und hat in der Spatzeit des Styles mehr auf 
Säulen und Fenstereinrahmung Einfluss genommen als auf die 
läehandlung der Wand selbst. Zuweilen sind aber die Steiuwände 
durch Ornamente gemustert, wie am Rathhause von Beaugency 
mit Lilien, oder es sind farbige Steintafeln eingesetzt, wie in Cham- 
bord, oder es treten glasirte Terracotten zur Decoration der Wand- 
flächen ein, wie am Hause Franz I. in Paris. 
Wo Ziegel und Stein zur Verwendung kommen, werden die 
Fenster mit ihren theilenden Pfosten in Stein gebildet und in 
die nicht verputzten Ziegelwäilde eingebunden. Durch die Ver- 
bindung der verschiedenen Materialien, durch die Bereicherung 
der lwVand mit einem aus verschiedenfarbigen Ziegeln gebildeten 
Muster kommt ein neuer Charakter in diese Fagaden. 
Für die Behandlung der Wand an den reicheren Hoch- 
renaissancepalästen treten mit Ausnahme der Rustica wieder 
alle die Mittel ein, welche schon in der italienischen Hoch- 
renaissance Anwendung fanden. Plastische Umrahmungen der 
Flächen, Nischenwerk, runde Scheiben und verschieden geformte 
plastische Felder mit reicher ornamentaler und figuraler Auszier 
in Relief und runder Plastik sind hier verwerthet (siehe lfig. 76). 
Das Dach des französischen Renaissancebaues ist durch- 
weg ein hohes, steiles. Diese jetzt wie im Mittelalter aus klima- 
tischen Rücksichten hervorgegangene Form übt den mächtigsten 
Einfluss auf die Architektur des Hauses selbst aus, denn es 
erwächst aus derselben ein ganz neuer Apparat von Dingen, die 
z. B. der italienischen Renaissance fremd waren, aber aus dem 
Mittelalter herübergcnommen, jetzt eine dem Styl entsprechende 
Durchbiltlung erheischten. Mit der Anordnung des hohen Daches 
erwächst wie von selbst eine eigenthümliche Bildung des Kranz- 
gesimses mit Balustrade als Attika zwischen den schon be- 
sprochenen Lucarnen. Besondere Rücksicht musste bei der Ge- 
sammtanlage auf die Thurme und Pavillons, auf die Anordnung
        

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