Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen der Renaissance
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2209545
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2211123
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Du 
Styl 
französischen 
Renaissance. 
Das Fenster ist nach Oben gerade oder gerade und mit 
abgerundeten Ecken abgeschlossen und durch senkrechte und 
horizontale Steinpfosten getheilt. Die Umrahmung des Fensters 
tritt vor den Mauergrund nicht vor und ist im Sinne des mittel- 
alterlichen Fensters reich gegliedert. Zuweilen treten die Pilaster 
der Wandgliederung so enge an die Fenster heran, dass sie die- 
selben nach beiden Seiten begrenzen. 
Die Nebeneinanderstellung der Fenster zu zweien und mehreren 
ist besonders üblich, eben so das Zusammenziehen der überein- 
anderliegenden Fenster. Das Letztere erstreckt sich (Fig. 80) 
bis zu den Dachfenstern (den Lucarnen), welche dann eine be- 
sonders reiche oft fantastische Architektur als hoher über das 
Hauptgesims hinausreichender Theil erhalten. Die Bildung der 
Lucarnen entspricht in der Frührenaissance zuweilen nur einer 
direkten Umdeutung gothischer Dachfenster. 
Strebepfeiler und Strebebögen, Giebel, Fialen, Krabben, 
Wasserspeier sind in die Renaissanceformen gekleidet und auf 
das reichste mit spielender Auszier versehen. Die Verbindung 
der Renaissancedetailformen mit den gothischen Structivformen 
hat hier zu den reizvollsten und ansprechendsten Combinationen 
geführt, welche für den Styl besonders charakteristisch sind. 
Die Hochrenaissance bi-ldet das Fenster im Sinne des antiken 
Fensters mit vor die Fläche der Wand vortretendem architravirtem 
Rahmen. Zum Rahmen tritt die verschiedenfältig als Spitz- oder 
Segmentgiebel oder ornamentaler Aufsatz gebildete Verdachung, 
das Gruppiren der Fenster, das Zusammenziehen derselben 
mit den Lucarnen bleibt auch jetzt beibehalten. Mit der Ver- 
werthung der strengeren Formen'und dem allmäligen Verlassen 
der gothischen Structur werden auch die Lucarnen einfacher und 
weniger zierlich gebildet (Fig. 81). 
Mit der Spätzeit des Styles tritt, wie in der italienischen 
Hochrenaissance eine theilweise Rusticirung der Fensterein- 
rahmungen und Verdachungen ein, damit geht der letzte spielende 
Reiz, welchen die Fagaden dem mittelalterlichen Einflusse auf die 
Formen verdankten, vollständig verloren, Die Architektur wird 
nun viel anspruchsvoller und massiger, das zarte vielgestaltige 
Ornament verschwindet am Aeusseren der Häuser. 
Dieselben Wandlungen wie die Fenster zeigen auch die 
Thore. Die Frührenaissance bildet dieselben mit abgeschrägten 
profilirten Gewänden und oben zumeist mit einem Rundbogen
        

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