Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen der Renaissance
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2209545
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2211102
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Der 
Styl 
der 
französischen 
Renaissance. 
seitig als die italienische, so hat sie auch für das Detail der Ord- 
nungen keine wesentlichen Veränderungen gebracht, will man nicht 
die Bereicherung der Flächen mit einer grossen Zahl, mit feinem 
Sinne erdachter und ausgeführter Ornamente, hierher zählen. Auch 
die neue Ordnung de l'Orme's mit der „französischen Saulef, die 
im Grunde nichts weiter als eine dorische Säule mit zum Theil 
rusticirtem Schafte ist, kann nicht weiter in's Gewicht fallen. 
Da der Gesammtorganismus der französischen Renaissance- 
architektur ein entschieden anderer ist, als der der italienischen, 
so ist auch das Verhalten der einzelnen Theile des Baus unter- 
einander dort ein ganz zuideres, als hier. Es soll diess in dem 
Sinne verstanden werden, dass in den Fagaden in Frankreich, 
besonders aus den ersten Decennien des Jahrhunderts und von 
da immer mehr abnehmend, ein viel engerer Bezug der einzelnen 
Theile untereinander besteht, als in Italien. Die Gliederung der NVand 
steht mit der Gliederung der Fenster, der Thore, des Daches u. s. w. 
in ganz engem Bezuge, so dass man das Eine vom Andern nicht 
trennen kann, ohne den ganzen Zusammenhang zu stören. 
Es ist ein viel geschlossenerer Scheinorganismus in diesen 
Bauten, als in denen der italienischen Frührenaissance, welcher 
immer wieder erkennen lässt, dass in Frankreich die mittelalter- 
liche, aus der Structur hervorgegangene Form auch in der Re- 
naissance lebendig bleibt, während in Italien die Traditionen 
nach dieser Seite langst verloren waren. In demselben Sinne, 
wenn auch nicht in so hohem Masse, erhält sich auch dieses 
Verhaltniss in der französischen  Man kann auch 
hier keinen Theil tierArchitektur als für sich bestehendherausfassen, 
kein Fenster mit seiner abgeschlossenen Umrahmung, kein Thor oder 
einzelnes Gesimse als besonders betonte Theile. Hier steht Alles 
an einem Objecte in engem Zusammenhange. Die Gesammtform 
eines Objectes ist eine ganz geschlossene, worunter freilich auch 
die präcise klare Behandlung des Einzelnen als selbständiger 
Theil leiden musste. Ueberall sehen wir den Einfluss des Mittel- 
alters die ganze Renaissance hindurch und als besonderes Charakte- 
ristikon der französischen Version des Styles. Wo dies in franzö- 
sischen Bauten nicht der Fall ist, darf man einen Einfiuss durch 
italienische Künstler voraussetzen. 
Nach dem Gesagten muss die folgende Besprechung der 
einzelnen Bautheile nur unter immerwährendem Hinweis auf dieses 
Verhältniss verstanden werden.
        

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