Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Styl-Lehre der architektonischen Formen der Renaissance
Person:
Hauser, Alois
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2209545
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2210743
Das 
italienische 
Renaissance-Ornament. 
In keinem Style hat das Ornament eine so vielseitige Aus- 
bildung und so reichliche Verwerthung gefunden, als in der 
italienischen Renaissance. In der Zahl der Motive sowohl, als 
auchrin der Verschiedenheit der Durchbildung derselben, be- 
kundet kein Styl solche Lebendigkeit und Beweglichkeit, wie der 
in Rede stehende. Die Decoration tritt aber hier in ein viel 
loseres Verhältniss zum structiven Bau, als in den Werken or- 
ganischer Style, sie ist mit demselben nicht aus einem Gusse, 
aus einem Gedanken erwachsen, sondern diesem im NVesen 
iiusserlich angefügt und demnach auch einer reicheren Durch- 
bildung im Ganzen und in einzelnen Theilen, ohne Aufhebung des 
losen Zusammenhanges mit dem Gesammtorganismus, fähig. Im 
Gegensatze zum griechischen und gothischen Style war hier, beim 
abgeleiteten, jene freie Behandlung in der Form denkbar, 
welche unter dem Einflusse hohen künstlerischen und kunst- 
technischen Vermögens zu den Resultaten führen konnte, durch 
welche die Renaissance als Decorativstyl eine so bedeutungsvolle 
Stelle einnahm. 
Die Herrschaft des Ornamentes und die hohe Ausbildung 
desselben hängt mit einem Drange zum Zieren und Schmücken 
zusammen und mit dem günstigen Umstande, diesem Drange 
auch auf ästhetische Weise gerecht werden zu können. Der 
Renaissancekünstler giebt im Gegensatze zum Bildner der 
Antike seinem Werke ein bedeutendes Mehr von Zierformen 
über die streng abgeschlossene Form des Ganzen hinaus, er 
schöpft aus einer sprudelnden Quelle von Formen und bildet 
sie blos ihrer Schönheit zu Liebe und mit durchaus heiterem Ge- 
präge. Die ornamentalen, wie die Structivformen sind weder 
kirchlich noch profan gedacht, sondern ein und derselbe Geist 
durchdringt beide, der Geist heiterer Schönheit, der freilich 
mit dem hohen Ernste der Antike und des Mittelalters nicht zu 
vergleichen sein dürfte. 
Besonders treibt das Quattrocento und der Anfang des 
Cinqtlecento die reichsten Blüthen auf diesem Gebiete, und es 
ist nur dem hohen künstlerischen Sinne der Zeit zuzuschreiben, 
dass diese Zierlust nicht früher in der Architektur auf Ab- 
Wege 
führte.
        

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