Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525893
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zu haben, indem er es, abgesehen von der Unzulänglichkeit der 
Nachbildung nicht vermochte, der Neuerung die eigentliche Frucht- 
barkeit (ladureh zu entlocken, (lass er das todt Angeschattte erst in 
seiner Phantasie beseelte und so zum freien Kunstwerke umbiltslete. 
Gleichwohl gereicht es der deutschen Kunst zum Ruhme, nach 
fast zweihundertjäihriger Passivität in dieser Periode der Anfänge der 
Regeneration die Führerschaft wenigstens in der Malerei an sich 
gerissen zu haben. Anders xierhalt es sich mit den äthnlichen Be- 
strebungen dieser Zeit im Gebiete der Plastik. Hatte selbst die 
deutsche Malerei jene Erfolge grösstentheils in Italien errungen, so 
schien das classische Apenninenland für die Regeneration der Bild- 
nerei in noch weit höherem Grade der naturgemässe Schauplatz und 
der einheimische Künstler in entschiedenem Vortheil. Denn hier 
konnte es nicht, wie für die Malerei als ein genügendes Heilmittel 
betrachtet werden, auf das Studium der mehr in die Welt zerstreuten 
Renaissancemeister zurückzukehren, da sich in der Plastik gerade 
von diesen der Verfall herleitete, welcher um so raschere Fortschritte 
gemacht hatte, je steiler die Höhe eines Michel Angelo war. Hier 
musste man zur Antike zurückkehren, um das verrlernte plastische 
Sehen der Natur durch diese wieder zu gewinnen. Italien aber ent- 
hielt damals in seinen zahlreichen öffentlichen und Privatsainmltingen 
wohl zehnmal mehr hiezu brauchbare Vorbilder als das ganze übrige 
Europa zusammengenommen, und das Gefühl für deren Schönheit 
konnte bei den Einheimischen so wenig ganz erloschen sein, wie das 
herrliche Material des lunesischen Marmors dort versiegt war. Es 
erscheint daher als ganz naturgemiiss, dass sowohl der kriiftigste 
Anstoss wie die hervorragendste Vertretung der plastischen Regene- 
ration aus dem Schoosse Italiens selbst hervorging. Weil jedoch 
das Bedürfniss nach einer solchen sich fast allerwärts regte, so mach- 
ten sich die ersten Flügelschläge derselben nicht in Italien allein, 
sondern auch in Frankreich, zu Stockholm und Kopenhagen, in E112" 
land wie an mehren Punkten Deutschlands bemerklich, wenn auch 
die magnetische Kraft Roms die Neuerer aller Nationen wenigstens 
zeitweise an sich zog. 
Dort wirkte namentlich der gefeierte Bannerträger der plasti- 
schen Wiedergeburt Ami. Oanova (geboren zu Possagno 1757, 
"i" zu Venedig 1822). Sein künstlerischer Anfang an der Akademie
        

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