Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525887
nach Italien 1768 ermöglichte. Der etwas wunderliche Auftrag der 
Gzaarin, den russischen Seesieg über die 'l'tirken bei 'l'sches1ne 1770 
in fünf Gemälden darzustellen, begründete dort sein Ansehen, zumal 
die russische Flotte selbst dazu in Livorno hatte zu Modell stehen 
müssen, und ein älteres Schiff sogar in Brand gesteckt worden war, 
um dem Künstler die Autopsie eines  zu gewähren. 
Erquicklicher mochten indess seine italienischen Landschaftsstudien, 
besonders die Ergebnisse einer sicilischen Rundreise gewesen sein, 
welche auch die Aufmerksamkeit des Königs von Neapel auf ihn 
zogen, der ihn von nun an fast wie einen Freund behandelte. Ein 
vielleicht allzu höfisches Leben abgerechnet, das auch auf seine 
Landschaftsbilder nicht ganz ohne Einfluss blieb, erfreute sich nun 
Hackert lange Jahre eines herrlichen Daseins, bis ihn die Stürme 
der französischen Revolution und die Flucht des Königs zur Abreise 
und zur Niederlassung in einer kleinen Villa bei Florenz veranlassten, 
wo er in rüstigem Schaffen bis an sein Lebensende (1807) blieb. 
So gross jedoch des Künstlers Ruf seiner Zeit war  sogar 
ein Goethe konnte seiner Biographie mit verschiedenen sorgfältigen 
Zusätzen einen ganzen Band widmen  so wird ihm doch jetzt 
Niemand mehr zugestehen als leidliche VOÖIltCHIUUlCFOl. Erfindungzs- 
gabe besass er nicht, ebensoweilig das Geschick, seinem Naturvorbiltl 
die beste Seite abzugewinnen. Auch näherte er sich dem letzteren 
nur bis zu einem gewissen Grade und blieb in der Detailarbeit wie 
in der Farbe noch ziemlich conventionell. Tadelt er selbst in seinem 
Briefe an Goethe an den Aquarellen Pousshrs das Unharinonische 
wie das Unwahre der Farben, so dürfte unser Künstler einem ähn- 
lichen Tadel  noch Weniger entgehen können. Herrschten neinliczh 
bei jenem nach Hackert die Ockerfarben überiniissig vor, so streifen 
bei diesem die 'l'inten gerne ins kalte graulich rosige. Dazu stösst 
man überall auf schabloneniniissige Fornigebung, welche besonders 
die Behandlung; der Vegetation in jener Zeit so schuhnässig' und 
tinerfreulich macht und in der manieristischen Technik des soge- 
nannten vBaumschlagsc gipfelt. Auch an Härten fehlt es so wenig, 
wie an jenen leeren Parthieii, welche inhaltlosen Phrasen vergleich- 
bar nur zu oft den Rotitinier und mehr oder weniger fabrikiniissige 
Herstellung erkennen lassen. Kurz Ilackerfs Verdienst erhebt sich 
nicht viel über (las, dem Studium der Natur wieder das Ueberge- 
wicht über das manieristisehe Nachtreten älterer Vorbilder verschafft
        

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