Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525800
springe und wie es wahrhaft fruchtbar gemacht werden könne, "so 
liess er vorläufig den Acker, dessen Unkraut er auszuroden bestrebt 
war, unangebaut zurück. Kein iVunder, dass der Pflüger, der nicht 
zu säen verstand, manchmal sogar selbst den Samen des beseitigten 
Gestrüppes wieder in die Furchen warf und seine Arbeit als eine 
halbmisslungene abbrechen musste. Manches anscheinend gute Samen- 
korn aber trieb taube Aehren, weil der Kern desselben der schönen 
Aussenseite nicht entsprach. Er hatte Alles gelernt, was zu lernen 
war, mit scharfbliekenciem Verstande, wie seine Abhandlungent), 
deren Sätze zum "Fheil selbst noch in der heutigen Aesthetik ihre 
Geltung habentt), beweisen, seine Thittigkeit auch durch entsprechende 
Theorien geregelt, aber die Künstlerseelc, der Gott in der eigenen 
Brust fehlte, um ihn über das Gegebene und verstandesgemäss Be- 
rechnete hinaus zu erheben und das eigene künstlerische Individuum 
zum Durchbrüche kommen zu lassen. 
Eine Schule hatte lilengs ZWüP nicht; dafür um so mehr Schüler, 
die sich nach seinen Grundsätzen, seinem Beispiel, seinen schriftlichen 
wie gelegentlichen mündlichen Unterweisungen richteten. Sein System 
war wie gemacht für akademischen Unterricht und in Kurzem blühte 
der mengsische Eklekticismus an allen Pflanzstätten der Kunst, vor- 
nehmlich in Deutschland. Es konnte diess um so leichter geschehen, 
als nach seinen allenthalben verbreiteten Theorien der Unterricht 
reformirt werden konnte, ohne dass es des unmittelbaren Einflusses 
seines künstlerischen Wirkens bedurfte. Man brauchte nur seine 
Lehren mit seinen fast beispiellosen Erfolgen zusammenzuhalten, um 
die gleichwohl trügerische Ueberzeugung zu gewinnen, dass er den 
Schlüssel gefunden, mit welchem man eine neue Aera eröffnen zu 
können wähnte. Ueberdiess war das Nachahmen ohnediess seit 
einiger Zeit an vielen Orten an die Stelle zeitgemiisser und traditio- 
neller Prociuction getreten, so dass der Fingerzeig nach den nach- 
ahmensiverthesten Vorbildern, wie ihn Liengs gegeben, nicht leicht 
zu übersehen gewesen Wäre. 
Huldigte aber er selbst nicht consequent, sondern mehr stück- 
weise und abwechselnd seinem eklektischen Programme, so konnte 
7) IlIengs, Opere pubblic. da. G. N. Azam. Parma 1780. II. Ediz. Bassano 
1783. III. Ediz. emend. da C. Fea. Roma 1789, übersetzt ins Spanische (1797), 
Französische (1796), Englische (1796), Deutsche von Prange (1786). 
H) Z. B. seine Anschauungen über das Naturschöne und ldealschöne.
        

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