Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525796
legen, und dadurch, weil diese Dinge lehr- und lernbar sind, sein 
Einfluss auf Zeitgenossen und Nachfolger gTOSS 011d nicht 011116 563'011- 
Allein die geniale Schöpferkraft fehlte ihm ganz. YVas nicht schon 
vor ihm gegeben war, das vermochte er aus sich nicht hervorzu- 
bringen, und so gehörte er doch nur zu den reproductiven Talenten. 
Er würde ein tüchtiger Manierist gewortlen sein, wenn ersich ledig- 
lich einem grossen Vorbilde angeschlossen hätte; dadurch aber, dass 
er sich das Beste aus den vorliegenden Kunstleisttmgen aus- und 
zusammenlas, wurde er ein tüchtiger Eklektiker und Compilator. Es 
fehlte ihm nicht an der Gabe, die besten Vorbilder zu erkennen, die 
längst als obsolet nur noch einer 1119111" conventionellen Bewunderung 
sich erfreut hatten, nicht. selten geradezu perhorrescirt wurden; auch ist 
ihm die Einsicht nicht abzusprechen, welche ihn trieb, je nach Gegen- 
stand das eine oder andere derselben vorwiegend zu betonen. Immer 
aber schwebte er lediglich zwischen den grossen Mustern, welchen 
er entnahm, was sich gerade für seine Zwecke eignete, ohne mehr 
als den Kitt für die Composition seinem eigenen Genius und seiner 
Einbildungskraft zu entnehmen. Weniger schaffend als machend, 
Weniger erfindend als. benützend erscheint er daher nie vollkonnnen 
wahr, nie fesselnd, nie originell und daher vielleicht mehr als eine 
zusammenfassend abschliessentle wie als eine bahnbrechende Erschei- 
nung. Sein Eklekticismus ist um ein Motiv reicher als das der 
Caraccisteu, nemlich durch die entschiedene liliederaufnahme der 
Antike, aber wie schon erwähnt wrorden ist, erschien ihm auch diese 
nur als eine Slaecialität, welche er nach Belieben in den Vordergrund 
treten lassen konnte, um sie dann wieder ganz bei Seite zu lassen. 
Seine programnnniissige Verbindung der vier Qualitäten, der Antike, 
des Raphael, Correggio und Titian traiy wie sie ja auch in "Wahr- 
heit unmöglich ist, ihm selbst nur theilweise und hauptsächlich nach 
der technisch iiusserlichen Seite gelungen. Zu einem fertigenein- 
heitlichen Gepräge, wie die Bologneser, kam er daher niemals Oder 
lediglich in technischer Hinsicht. Doch ist anzuerkennen, (lass er 
dem altersschivachen italienisch-trauzösischen lilanierismtis, der sich 
in traditioneller Forterbung von Meister auf Schüler völlig abge- 
stumpft und abgenutzt hatte, ein Ende machte, indem er auf die 
Nachahmung der Antike und Cinquecentisten hinwies statt auf die 
der modernen Barockisten. Da er aber llißht das BElSDlCI geben 
konnte, wie aus ciem Zurückgehen auf jene Vorbilder Neues ent-
        

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