Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525781
die Schranken zu treten sich vornalnn. Das Manierirte der dem 
Gorreggio abgeseheneil Lichtführung verbindet sich mit der erkälten- 
den Idealität der Formen zu einem unerquicklichen Zwittergebiltle, 
an dem das Aufgezwungene, Aufgedachte, Absichtsvolle, Fremde in 
jeder Linie entgegentritt. Selbst der tiberschwengliche Lobredner 
Azara spricht mit der bewundernden Hervorhebung des Eindrucks 
derartiger Werke, rdass man kaum glaube, eine und dieselbe Hand 
habe sie malen könnena, ein herbes Urtheil.  Ziveimal nöthigten ihn 
widrige Gesundheitsumstände in Folge von Ueberarbeitung, wie die 
Last der Vereinsamung und der Intriguen nach Rom zurückzukehren, 
wo er auch zur Fortsetzung seiner Studien in Rom, Neapel, Parma 
und Florenz mehr Gelegenheit und Musse fand. Während eines sol- 
chen dreijährigen Erholungsaufenthaltes in Rom lieferte er auch für 
den Vaticalt einige Fresken, namentlich die Malereien in der Camera 
de' papiri der vaticanischen Bibliothek, worunter das Deckenbild, eine 
Allegorie der Geschichte, trotz der G-esxialtsarnkeit der Gomposition 
von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. 
Mit dem Gemälde der wVerkündigunga, für den König von Spa- 
nien bestimmtt), schuf er seinen Schwanengesang. Azara erzählt, der 
Künstler habe erklärt, es Schwebe ihm eine gewisse Cantate von 
Corelli vor und er wolle das Bild in dem musikalischen Styl dieses 
Gomponisten malen. Und in der That, etwas von dem leichten 
Schwunge der italienischen- Musik ist in dem namentlich durch die 
schwebenden Engelgruppen schönen Bilde mit seiner wieder Cor- 
reggio entlehnten, vom h. Geiste ausgehenden Beleuchtung, wie in 
der allenthalben herrschenden harmlosen Lieblichkeit. Würde der 
Engel Gabriel in seiner fast florentinischen Goniposition nicht als 
Anachronismus herausfallen, so würde das Werk durch seine sonstige 
correggianische Harmonie zu dem Erfreulichsten gehören, was Hengs 
überhaupt geschaffen. Dass er das Bild unvollendet lassen musste, 
als er 1779 seinem langen Siechthum erlag, ist kaum zu bemerken, 
und vielleicht sogar von Vortheil, da durch mühsame Ueberarbeitung 
dem Reize des Ganzen wohl eher Abbruch geschehen wäre. 
Das unbestreitbare Verdienst des Künstlers besteht wohl in der 
Correctheit der Zeichnung, ldealität der Formen und in der Hand- 
habung der Maltechnik. Hierin ist er unbedingt seiner Zeit über- 
Jetzt 
im 
Belvedere 
Wien. 
ZU 
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Phot. 
bei 
Miethke 
Wawra.
        

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