Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525765
des geleistet, tvie es von dem Künstler nicht anders erwartet werden 
kann, der in Seinem sden Ganymed küssenden Jupitera die römische 
Kunstwelt und Winckelmann selbst mystificirt und den letzteren zu 
der Erklärung verleitet hatte, wes sei das schönste Gemälde, das je 
aus dem Alterthurn das Licht zu unseren Zeiten erblickt habe, alles, 
Was zu Portici sei, übertreffend .   und gewiss das schönste in der 
ganzen Weltß Der Parnass zeigt die Früchte des emsigen Jugend- 
und Mannesstudiums unter den Antiken. In bewundernswerther 
Formenschönheit und Correctheit der Verhältnisse sind hier die antiken 
Musengestalten getreu wiedergegeben, überdies colorirt in einem 
Schmelz und Relief, wie beides selten war und ist. Berückt von 
diesen Vorzügen, übersah man jedoch die gleichwohl noch vor dem 
Schlusse des Jahrhunderts bemerkten Gebreehent"). Die Composition 
ist leblos, gemacht, gestellt, wie man eben Statuen zusammenstellt, 
denen man eine Wechselbeziehung nicht nachträglich aufzwingen 
kann. Jedes Mitglied des schweigenden Tableau's existirt auf eigene 
Faust und macht sich für sich geltend; von einem geistigen Bezug 
auf einen gemeinsamen Mittelpunkt, wie ihn später Schick in seinem 
Apoll unter den Hirten wiedergegeben, ist nichts zu entdecken: es 
ist nicht eine gemalte antike Gruppe, wie sie das Alterthum im 
Runden wie im Relief geliefert, sondern es sind gemalte Statuen. 
Mengs classische Vorbilder sind hier wie fast überall zu unmittelbar 
reproducirt, statt erst auf dem Wege durch die Phantasie nach leben- 
digen Impulsen Fleisch und Bewegung zu gewinnen, zu direkt auf 
die Fläche hinübergedacht und hinüber erinnert, als dass ihnen der 
lebende Odem hätte eingehaucht werden können. Wie styllos er- 
scheinen uns nun diese Gestalten und vorab Apollo, weil nicht ma- 
lerisch, sondern rein plastisch gedacht und lediglich freie farbige 
Uebersetzungen der marmor-nen Vorbilder des Alterthums, um so 
empfindlicher neben eingestreuten Reminiscenzen aus pompeianischen 
Gemälden wie aus Gorreggio. Doch war zum erstenmal der vorbild- 
liche Werth der Antike entschieden ausgesprochen und dem Anfang 
des (Ilassicismus damit auch der Zeitpunkt markirt. Es war eine 
merkwürdige Kriegserklärung gegen den-Styl der sgrandes machinese, 
in welchen Gorreggids Froschperspektive sich die Mesalliance mit 
s) F- W. B. v. Ranzdohr, Ueber Maierei 
Leipzig 1798. n. Band. s. 25. 
und 
Bildhauerarbeit in Rom. 
Aufl 
        

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