Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525745
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III. 
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"unmerung. 
lassicistische 
gungen. 
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nicht das geborene Genie wie jener gottbegnadete Meister, sondern 
ein Talent, das fast ausschliessend vom Erlernten zehrte. Dadurch 
war er auf den Eklektiker gewiesen und tauschte sich und die Welt, 
wenn er sich den Anschein gab, mehr und selbständig zu sein. 
Denn wenn er selbst sagte, der Maler soll aus der Antike den Ge- 
schmack der Schönheit, von Raphael den der Bedeutung oder des 
Ausdrucks, von Correggio den der Gefälligkeit und der Harmonie, 
von Tizian den der Wahrheit oder Farbe entnehmen, so war sein 
Lernen von den Meistern eine oft zu greifbare Herübernahme und 
überdiess war sein Verstandniss derselben nur zu oft bedauerlich 
schwach. Wenn er z. B. in seinen Schriften sich über Raphael 
dahin aussprach, dass sein Verdienst nur in der Erfindung und zum 
Theil in der Zeichnung beruhe, dass er nicht gewusst habe, was 
Ideal War, woran es z. B. seinen Madonnen gebrach, dass er, wenn 
er keinen starken Ausdruck zu malen hatte, blos Nachahmer der 
Natur war, dass man ihn daher nur in jenen Charakteren, welche 
ihm eigen sind, nemlich in den alten und nervösen Constitutionen 
studiren müsse, weil er bei der Vorstellung zart gebauter Körper zu 
hart und bei den allzu starken ein tibertriebener Copist des Michel- 
angelo sei, dass er auf das Colorit ganz vergass, indem er sich um 
alle die Theile, Welche zur Vollkommenheit führen, weniger beküm- 
merte und sich mehr bemühte, eine Fertigkeit zu erlangen, etwas 
geschwind zu vollenden u. s. w., so glaubt man kaum seinen Augen, 
solchen Aberwitz aus der Feder eines posthumen Nacheiferers 
Raphaels geflossen zu sehen, der doch vorzugsweise desshalb zum 
drittenmale nach Rom gegangen war, um wohl nicht minder unter 
dem Einflusse der, Transfiguration als im Wettkampfe mit derselben 
seine Himmelfahrt zu vollenden. Ein Glück für Mengs, dass der Be- 
steller diese Vollendung nicht mehr erlebte. Der kunstsinnige August III., 
der bei Ankunft der Sistina und ihrer Besichtigung im Thronsaal 
mit dem Ausrufe wPlatz da für den grossen Raphaellc eigenhändig 
den Thronsessel zurückgeschoben haben soll, würde die Enttäuschung 
einiger Kunstfreunde in Dresden getheilt und vielleicht die Anmassung 
des Künstlers ähnlich zurückgewiesen haben, wie er die Kühnheit 
des Rotari, der sich vermass, die Nacht des Gorreggio zu Verbessern 
und zu überbieten, mit den Worten geisselte: ))C'est bon pour le 
derriere du (lorregela 
Statt einer gereiften und einsichtigen Kritik, welche den Künst-
        

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