Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525729
aus dem Vaterhause und zu einem bleibend unstäten Leben veran- 
lasste. In gänzlicher Abgeschiedenheit vergingen dem Anton Raphael 
die Kinderjahre _mit seinen beiden in gleicher Weise zur Kunst an- 
gehaltenen Schwestern; die Kunstdressur schlug jedoch bei dem 
Knaben ausnahmsweise an, indem sie die vielleicht sonst latent ge- 
bliebene Anlage zur raschen Bethätigung trieb, so dass er schon in 
seinem zwölften Jahre den ungesehen beobachtenden Vater mit dem 
Versuche überraschte, dem eigenen entblössten Arme das abzusehen, 
was ihm an dem vorliegenden Gypsmodelle unklar geblieben war. 
Nun hielt es Ismael für angemessen, den Sohn zu Weiterer Ausbil- 
dung nach Rom zu bringen und brach mit seinem ganzen Haus- 
stande dahin auf. Der Statuenhof des Vatican, die Sixtina und end- 
lich die raphaelischen Stanzen wurden für drei Jahre zum Kerker 
des strenggehaltenen Jungen, dem es vielleicht eine Erholung War, 
des Abends bei Conca nach lampenbeleuchteten Antiken oder ge- 
legentlich bei Beneflziale Akte zu zeichnen, bis er nach Ansicht seines 
Vaters nicht blos völlige Sicherheit der Hand, sondern auch die 
Formengebung der Antike und der grossen Cinquecentisten sich an- 
geeignet hatte. Als die Familie 1744 wieder nach Dresden zurück- 
kehrte, konnte das Geheimniss von deren Existenz nicht mehr auf- 
recht erhalten werden. Das Pastellbildniss des Kammersängers 
Annibali erregte in dem Churfürsten August Ill. den Wunsch, dem 
jugendlichen Künstler ebenfalls zu sitzen, und das Wohlgelungene 
Werk verschaffte ihm reichen Lohn, Pension und [die Erlaubniss, 
abermals nach Italien zu gehen, um sich dort der Oelmalerei zu 
widmen. Der bisher noch unbenützte Pathe aus Correggio gab nun 
dem Künstler neue Impulse, während dieser gleichwohl fortfuhr, in den 
Stanzen des Vatikan wie in verschiedenen Galerien copirend, dem 
Urbinaten seine Huldigung darzubringen. Nun entstand auch sein 
erstes grösseres, jedoch sich an Raphael anlehnendes Eigenwerk, 
eine heilige Familie, Welche ihn durch das Modell für die Madonna 
(die schöne Margaretha Guazzi) zum Ehestand, und um den letzteren 
zu ermöglichen, zum Uebertritt in die römische Kirche veranlasste. 
Als technisch fertiger Künstler erschien Mengs 1749 Wieder in 
Dresden: de Sdlvestre hielt es für angemessen, sich vor dem neuen 
Hofmaler mit Pension zurückzuziehen, und die Ausschliesslichkeit der 
französischen und italienischen Kunstherrschaft hatte am sächsischen 
Hofe ein Ende. Es war jedoch kein durchaus neuer Geist, der da-
        

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