Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525715
Literarische 
Vorh 
Mengs. 
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ahmung der Griechenß nur in Deutschland ganz neu war. t) Für alle 
Welt neu war jedoch seine Beweisführung. Gleichwohl zögerte die 
Wirkung, zum Theil aus dem äusseren Grunde, weil die Künstler- 
Welt, wie zumeist, der Literatur allzuferne stand und namentlich der 
epochemachenden Schrift zunächst überhaupt nur eine sehr beschränkte 
Verbreitung gegeben worden war. 
Von Dresden, WO Winckelmann jenes Prolegoinenon geschrieben 
und WO auch Hagedorn und Algarotti ihre Anschauungen entwickelt 
hatten, sollte auch jene Künstlergestalt ausgehen, welcher die Mission 
der Vorbereitung und Vorstufe zugefallen war, neinlich Raphael 
Anton Jlfengsftf) Sein Vater lsinael Mengs, Miniatur- und Email- 
maler aus Kopenhagen und seit einiger Zeit in den Diensten des 
Churfürsten von Sachsen, ein düsterer, träger, ja selbst dem Trunk 
ergebener Sonderling, scheint den Sohn, zu dessen obscurer Geburt 
(12. März 1728) Isniael, Wohl weil die Ehestandspapiere nicht in 
Ordnung waren, das böhmische Städtchen Aussig ausersehen hatte, 
zum Rivalen der grössten Maler gleichsam prädestinirt zu haben. 
Vielleicht mehr ahnend als überzeugt, dass seine eigene Bahn wie 
die Richtung seiner Zeit ein Abweg sei, Wollte er den Sohn auf jene 
Vorbilder hinweisen, nach welchen er Besseres leisten könnte, und 
rief dadurch, dass er die beiden Taufnainen des Kindes dem grossen 
Urbinaten und Gorreggio entlehnte, diese förmlich als Pathen an, 
um ihn in seiner Absicht zu unterstützen. Es war jedoch nicht 
blos sein Wunsch, dass der Knabe es dahin bringen solle, aZU zeich- 
nen wie Raphael und zu koloriren wie Correggioa; denn als sein 
Freund, der Kunsthiindler Böttcher in Leipzig, von der Unsicherheit 
der Erfüllung solcher Wünsche sprach, da meinte er kurz und 
schroff: a6? soll und mussc. Für das eine wurde auch von dem 
Augenblick an, wo die Kinderhand die Reissfeder halten konnte, 
 durch unablässiges Ueben nach Stichen und nach GypSabgÜSSGII, 
für das andere mit der Peitsche gesorgt, deren grausame Hand- 
habung einen älteren Bruder des Anton Raphael sogar zur Flucht 
I) A. a. O. I. S. 386. Der Satz findet sich ganZ ähnlich 139i La BruyäTe, 165 
caracteres de Theophraste avec les caracteres ou les rnoeurs de ce siecle. Bruxel- 
les 1692. 
I") G. N. Aza-ra, Vita di A. R. Mengs. Opßre III. Ediz. Roma. 1787. Bian- 
coml Elogio storico del Gav. A. B. Mengs. Milano 1780, übersetzt von J. E. Milller. 
Zürich 1781. N. Guibal Eloge historique de Mengs. Par. 1781.
        

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