Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525669
fortzusetzen vermocht hätten, so dass in der zweiten Hälfte des 
18. Jahrhunderts das kahle und tinerquickliche Zopfthum in Wien 
mehr als irgendwo seine ertödtenden Wirkungen äussern konnte. 
Von den übrigen deutschen Residenzen ist München hier nur 
flüchtig zu erwähnen, dessen benachbarte Lustschlösser Schleissheim 
und Nymphenburg sich nicht zum Range der genannten Wiener 
Paläste erheben , wenn auch der Park zu Nymphenburg in einem 
Pavillon wie die Residenz zu München in dem angebauten Residenz- 
theater hinsichtlich der baulichen Ausstattung des Innern Perlen 
des Rococostyles besitzt. Den Hofbildhauer R. B003, dessen Vor- 
gänger Messerschmid und Straub kaum nennenswerth sind  1810), 
wie den Hofmaler (Ihr. Wink (1- 1797), welche beide 1770 jene 
Zeichnungsschule gründeten, aus der die Münchener Akademie er- 
wuchs, darf ich nur erwähnen, weil ich an dem Orte ihrer Thätig- 
keit schreibe. Stuttgarts Aufschwung gehört zumeist in die nächste 
Periode, wenn auch das 1746 begonnene Schloss als ein Vorbote 
des bald darauf erwachenden Classicismus betrachtet werden muss. 
Die Anlage von Ludwigsburg ist trocken und selbst die Solitude ohne 
eigentlichen Werth. Auch das Schloss von Carlsruhe ist hier zu 
erwähnen; die Stadt selbst verdankt ihr eigenthümliches Gepräge 
erst einem der nächsten Periode angehörigen Baukünstler. Missver- 
standenes Streben nach grandioser Einfachheit macht das zu Anfang 
des 18. Jahrhunderts erbaute Schloss zu Mannheim wenigstens 
im Innern kerkerhaft, düster und prosaisch. Gelungener erscheint 
das Schloss zu Rastatt durch seine lebensvolle Decoration, immer 
aber noch zurückstehend gegen das fürstbischöfliche Schloss zu 
Würzburg, eines der stattlichsten und zugleich elegantesten Bau- 
werke dieser Periode, von 1720-1744 durch B. Ncumamz (T 1753) 
geschaffen. Weniger genial, wenn auch tüchtig" gebildet erscheint 
neben diesem Autodidakten P. Becker, ein Schüler Schlüter's und 
zuletzt in Bayreuth thätig (T 1713), auch durch sein Lehrbuch 
über barocke Palastarchitektur t) von weitgreifendem Einfluss. Das 
übrige Deutschland hielt mit der Lebhaftigkeit Süddeutschlands im 
Palastbau nicht gleichen Schritt, wenn auch Cassel, Braunschweig, 
Bonn und andere Städte nicht unthätig verblieben.  
Auch die Schwesterkünste reichten der Architektur selten zu 
Fürstlicher Baumeister. 
Augsburg 
1713.
        

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